Das war 2019 – Teil 1: Einen Podcast machen

Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr. Heute: Die Alphabeten – unser Podcast ÜBERS SCHREIBEN

Mein Freund Gerrit und ich produzieren seit Beginn des Jahres unseren Podcast „ÜBERS SCHREIBEN“. Wir hatten tolle Gäste zu Besuch, überwiegend Gästinnen (sechs) und lediglich ein Quoten-Männchen. Drei weitere Folgen haben aus Gründen nie das Licht der Welt erblickt, diese Gründe sind vielfältig und haben u.a. mit Alkohol vs. Technik, Wirtschaftsgeheimnissen, sowie Dr. Jekyll (Mikro läuft) und Mr. Hyde (Mikro ist aus) zu tun. Ihr braucht also bitte nicht weiter zu fragen und müsst mir einfach glauben dass es sehr, sehr, sehr bizarr war. 

Alle Fotos auf der Seite, bis auf die Selfies: Tara Wolff

So oder so – Gerrit und ich werden weitermachen, denn auch wenn es eine Menge Arbeit ist (niemand schneidet so liebevoll Ähms und Ööhs heraus wie wir), und das für ein ziemliches Nischenprodukt (unsere Zuhörer*innen pro Folge liegen im dreistelligen Bereich) ist es doch immer wieder eine große Freude so tolle Vollprofis (siehe Liste unten) zu Besuch zu haben.

Wir treffen uns im Atelier Royal TS, das ist der Workspace, den meine Frau Tara und ich uns teilen. Da gibt es eine Küche und einen Garten, es ist gemütlich, Tara fotografiert den Besuch und uns, zwischendurch machen wir Pause, nach dem Interview sitzen wir oft weiter zusammen, manchmal noch stundenlang, eigentlich hat man danach immer das Gefühl, man hatte einen guten Freund bzw. in den meisten Fällen eine gute Freundin zu Besuch.

Besonders schön, nie geplant, aber hat sich so ergeben: Es ist ein bisschen auch ein „Pärchenprojekt“ geworden, da nicht nur meine Frau die Fotos macht, sondern Gerrits Partnerin Amrei unseren Folgen mit ihrer Profi-Stimme immer noch den letzten Schliff in Form einer knappen Anmoderation gibt. 

LOS ALPHABETOS – Das Alphabeten Podcast-Team v.l.n.r.: Gerrit, Sebastian, Amrei, Tara

Und hier unsere fabulösen Besucher*innen …

Doch halt, wo denn wie denn eigentlich? Gibt es Leute, denen man das noch erklären muss? Anscheinend. Podcasts hören die meisten mit dem Smartphone, also findet ihr uns natürlich über die Apple Podcast App (ehemals „iTunes“, jetzt „Podcasts“) und bei Spotify. Bei Soundcloud leider nur so halb, da ist mein Upload-Engagement ein wenig eingeschlafen. Hört denn eigentlich irgendjemand Podcasts auf Soundcloud? Wäre mal interessant. Ihr könnt auch einfach direkt auf der Website alle Folgen hören:
www.die-alphabeten.de

Lucy Fricke

Open Mike Finalistin 2005, Erfinderin der HAM.LIT, Preisträgerin des bayrischen Buchpreises 2018 – und Bestsellerautorin. Mit „Töchter“, ihrem vierten Roman, gelang ihr endlich der große Durchbruch. Ein tolles, lustiges, bewegendes Buch, das demnächst groß verfilmt wird. Dafür hat sie auch noch das Drehbuch geschrieben, ich werde mir wohl seit langem mal wieder einen deutschen Film im Kino ansehen.

Lucy hat keinen Goldzahn, das sieht nur so aus. Dafür hat sie Goldsätze.

Christian Pfaff 

Texter, Galerist, Reisebuchautor. Ein Tausendsassa, der in der Werbung arbeitet und „nebenbei“ seinen Kunstraum betreibt, das OBERFETT. Und ein Buch geschrieben hat, zusammen mit einem Bildhauer, über einen dreimonatigen Aufenthalt in der Wildnis Kanadas: „Hast du mal die Kanuschlüssel“. Der Bildhauer verziert einen Fels, Christian kocht und vertreibt die Bären. Irre.

Gruppenselfie – die Folge ist noch im alten mookwe-Büro entstanden.

Dagrun Hintze

Ebenfalls Open Mike Finalistin 2005, Lyrikerin, Theaterautorin und Fußballsachverständige (BVB-Fan), spuckt druckreife Sätze, liest News überwiegend auf Papier und hat weder Smartphone noch irgendein Social Media Account. Ihr Lyrikband „EINVERNEHMLICHER SEX“ hat selbst mich, den Lyrik-Skeptiker überzeugt. Jetzt gerade hat sie schon wieder einen Erzählungsband im Textem Verlag nachgelegt: „WER WAS IN WELCHER NACHT TRÄUMTE – ERZÄHLUNGEN ZU KUNST, DESIGN UND ARCHITEKTUR“.

Wir hatten Wein und Spaß.

Karla Paul

In einer gerechten Welt würde es sie als Sammelfigur geben: Karla.

Deutschlands bekannteste Literaturlobbyistin, als Kind Aushleihkönigin der örtlichen Bücherei (den Begriff „Ausleihkönigin“ habe ich mir für meinen Roman mopsen dürfen, jede weitere Ähnlichkeit zu meiner Figur Fritzi ist Zufall), liest bis zu 300 Bücher pro Jahr (Fritzi schafft mehr). Sie betreibt mit Günther Keil eine Literaturshow, außerdem den Podcast „Long Story Short“ für Random House. Irgendwann schreibt sie vielleicht mal einen Krimi, und ein kleiner weißer Hund wird vermutlich eine Rolle darin spielen …

Kein Alkohol bei der Arbeit, Karla ist Vollprofi. Na gut, dann eben Tee.

Karen Köhler

Hier lacht Karen schön nach unten.

Karen wurde für ihren Erzählungsband „Wir haben Raketen geangelt“ vor ein paar Jahren in den Himmel gelobt (zu recht, er ist wirklich fantastisch, ich habe ihn erst vor kurzem „entdeckt“) und bekam für ihren Debütroman „MIROLOI“ vom gesammelten Feuilleton nahezu kollektiv ins Maul (zu unrecht, wie ich finde, dieser Roman ist auf ganz andere Art als die Raketen unfassbar bewegend und wichtig). Sie schaffte es damit auf die Longlist des deutschen Buchpreises und in die Endauswahl des Michael-Kühne-Preises. Wir haben uns herrlich betrunken, mannomann, die legendäre zweite Folge hat es wirklich in sich.

Nein, das ist kein Wasser.

Anke Stelling

Hier lacht auch Anke schön nach unten.

Anke veröffentlicht im Verbrecherverlag und hat mit „Schäfchen im Trockenen“ den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 gewonnen, kurz danach noch den Hölderlinpreis für ihr Werk, das inzwischen acht Romane umfasst, auch Kinderbücher. Sie schreibt tatsächlich von nine to five in einem Stübchen ohne Internet und plündert dabei gnadenlos ihr Privatleben, was nicht immer gut ankommt im Freundeskreis. 

Der Podcast mit Garten!

Dana von Suffrin

Von ihr werden wir noch viel hören. Preisregen beim Debüt.

Die Historikerin aus München mit jüdischen Wurzeln und Doktortitel hat mit ihrem Roman OTTO ein großartiges Debüt hingelegt. Ihr gelingt es erstaunlicherweise, Holocaust und lustig in einem Buch zu vereinen. OTTO erzählt die Geschichte von einem durchgeballerten Patriarchen, der pflegebedürftig wird und seine beiden Töchter in den Wahnsinn treibt. Das Buch ist sehr, sehr lustig aber auch ergreifend und kommt ohne großen Plot aus, die eigentliche Geschichte setzt sich aus Anekdoten zusammen, und die werden vom alten Otto durcheinandergewirbelt und offensichtlich falsch erinnert, ein großer Spaß. Sie hat nach dem Michael-Kühne-Preis auch noch den Ernst-Hoferichter-Preis und den Debütpreis des Buddenbrookhauses 2019 erhalten. Und so scheint OTTO ein aussichtsreicher Kandidat für weitere Preise zu sein …

Die Band würde ich mir anhören. Coole Frontfrau jedenfalls.

ÜBERS SCHREIBEN 2020

Und was kommt jetzt? Weiter so? Alle zwei Monate eine Doppelfolge oder doch lieber öfter mal eine kurze knackige und dafür das Sound Design und aufwendige Editieren opfern? Weiter auf die Quote scheißen – oder auch mal ein paar Männer zu Wort kommen lassen? Wie würden uns wahnsinnig freuen, von euch zu hören.
Ahoi! Und jetzt: zwanziger Jahre!

Gerrit hat da was im Ohr. Es könnte Gehirn sein, wir melden uns, wenn wir mehr wissen.