REZENSIONEN

NILLSON
20.06.2007
http://www.nillson-fanzine.de/nillson/nillson.cgi?mode=show&article=6124

Ich bin sehr froh darüber, an dieser Stelle das Debüt-Album einer Hamburger Band besprechen zu dürfen, die bis heute eigentlich ein Tabula rasa – ein unbeschriebenes Blatt – ist. Diese Band schreibt keine tiefsinnigen, blumfeldigen Texte oder so. Aber dafür haben die Texte etwas anderes wunderschönes. Es wird in erster Linie das ganz normale Leben in sportlicher Alltagssprache besungen, u.a. der Ex-Freundin der eine oder andere Diss hinterher geworfen, und da ist auch schon der Abschiedskuss der neuen „Flamme“. Und in welchen Texten geht es um Steuererklärungen, Google, Rundmails von alten Mitschülern und, yeah, Mixtapes? Aber hey: Gerade in den “klein” scheinenden Dingen drücken sich die wichtigsten Dinge des Lebens aus. Vieles ist durch Reime auf dieser Scheibe verknüpft, trifft hier beizeiten wiederum meine Vorstellung von Humor.

Die ausgeklügelten, verpoppten Melodien sind wohl überlegt und harmonieren stets mit Sebastian Stuertzs gesanglichen Beobachtungen. Klarinette, Violine, Percussions, Piano, Synthies tragen neben den üblichen verdächtigen Instrumenten zu enorm leidenschaftlichen Melodiedetails bei. Leidenschaft, die perfekten – beinahe schon zu glatten – Pop hervorruft, der wie bei der Band Sport laut oder ruhig wie bei Erdmöbel oder treibend nach vorne kickend sein kann. Hatte ich nicht mal gesagt, ich mag Vergleiche nicht? Egal. Was ich sagen will: Das Album ist sehr charmant, ja, grundsympathisch. Textlich und musikalisch mit wirklich viel Liebe zum Detail. Letztendlich haben keine geringeren als Chris von Rautenkranz und Gregor Hennig der Platte den letzten Feinschliff gegeben.

Autor: Volker Stevens

 

 

Mediablogger
24.06.2007
http://www.media-blogger.de/beitraege/stuertz-so-lang-es-ohne-luftholen-geht/#more-7

Das Debutalbum der Hamburger Band STUERTZ hört auf den Namen “So lang es ohne Luftholen geht”, umfasst 11 Titel und ist gute 42 Minuten lang. Die Band trägt seit 2001 den Namen vom Frontsänger und Gitarristen “Sebastian Stuertz-Wolff”. Die Lieder sind nicht tiefgründig, dafür findet sich jeder wohl in irgendeiner Form in den Liedern wieder und natürlich wird auf Deutsch gesungen. Ab und an fragt man sich aber doch, wie viel Sinn der Text macht. So z.B. im sehr schönen Lied “Schweden”. Der Refrain “Nach zwei Strophen ein Refrain, Drei Akkorde die jeder kennt…” klingt zwar nett, aber wo ist der Bezug zu Schweden?

Insgesamt muss man aber klar sagen, dass STUERTZ mit ihrem ersten Album ein gutes Händchen hatten. Es klingt ein bisschen nach Element of crime (nur nicht so tiefgründig und etwas fröhlicher) und macht Lust auf mehr.
Sehr schön ist auch das Booklet der CD, wo man für jedes Lied ein eigenes Cover findet – dafür aber leider keine Informationen zur Band. Diese findet man jedoch, inkl. Liedtexten und dem Video zum Album, auf der Webseite der Band.

 

chilli.cc Östereichs Jugendseite
09.07.2007
http://www.chilli.cc/index.php?noframes=1&from_frameset=1&statistik=no&id=73-1-36

Stuertz legen mit „So lang es ohne Luftholen geht“ ihr Debütalbum vor. Verantwortlich für das Projekt ist Sänger, Songwriter und Gitarrist der Band, Sebastian Stuertz. Eine Hamburger Pop/Rock-Band mit deutschen Texten also. Unter den Fürsprechern finden sich eine Vielzahl bekannter Namen wie Swen Meyer, Produzent von Tomte und Kettcar, Gerne Poets, Manager von Madsen oder auch Gregor Hennig, Produzent der Platte, der unter anderem Die Sterne oder The Robocop Kraus produzierte. Das legt die Messlatte hoch.

Bewusst schnörkellos
Vielleicht wollen die vier Nordlichter gerade deshalb keinen Studenten-Rock imitieren, wie sie auf ihrer Website schreiben. Doch ein eigener Stil ist auf der Platte leider nur ansatzweise zu hören. Oft klingt es einfach nach deutschem Pop/Rock. Gerade gegen Ende des Albums fehlen die Höhepunkte, und die Scheibe hört sich ein wenig so dahin. Trotzdem wird von Anfang an so mancher Refrain zum Ohrwurm. Die Texte überzeugen mit bewusster Schnörkellosigkeit und nicht wenige Textzeilen glänzen mit gekonnten Metaphern. Wem war vorher schon klar, dass Uhren um zehn nach zehn wie lachende Gesichter aussehen?

Potentiell mit Potential
Gereimt wird bei Stuertz übrigens nicht selten in Kreuzreimen, das ist nicht alltäglich, aber irgendwie schön. Die Texte erzählen meist Alltagsgeschichten und wenn Stuertz singen, „Ich will belanglos sein, mich wie die jungen Schwäne über´s Wetter freuen“ zeigt sich jene gesunde Portion Selbstironie, die es braucht, um gute deutschsprachige Musik zu machen: „Nach zwei Strophen ein Refrain, drei Akkorde die jeder kennt und liebt, und einen Text wo´s nichts zu deuten gibt.“ Insgesamt ist „So lang es ohne Luftholen geht“ ein gelungenes Debüt, dem an einigen Stellen zwar die Höhepunkte und Eigenheiten fehlen, dafür sind Stuertz eine Band mit Potential, definitiv.

Daniel Messner

WASTE OF MIND
07/2007
http://www.wasteofmind.de/reviews/show_review.php?id=5744

Unterstützt von geballter norddeutscher Indiekompetenz (Hennig, von Rautenkranz, Meyer und und und) stürzen sich Stuertz mit ihrem Debüt „So lang es ohne Luftholen geht“ in die stürmischen Gewässer deutscher Popmusik. Schiff Ahoi, auch wenn die Prominenzparade, die als Taufpate für diese Platte mit dickem Portfolio über den Deich zuckelt, fast vom eigentlichen Star ablenkt, der Musik. Abseits vom mittlerweile schon fast wieder abgenudelten Phänomen des deutschen Stadionrock mit weiblichem Gesang und Nullsatzlyrik haben Stuertz eine verschrobene, freundliche, entspannte, deutschsprachige Pop-Platte aufgenommen, die durch Liebe zum Detail und kluges Songwriting besticht.

Sämtliche Songs auf „So lang…“ stammen aus der Feder/den Fingern/den Hirnwindungen von Sebastian Stuertz, seines Zeichens Gitarrist, Sänger und namensgebende Instanz der Band. Und man kann es nicht anders sagen, der Herr Stuertz hat in Sachen Pop seine Hausaufgaben gemacht. Bestes Beispiel dafür: „Schweden“, eines der Kleinode die das Album zu bieten hat, in dessen Verlauf sich sogar textlich die angenehme Sinnfreiheit von Popmusik in All ihrer Pracht entfalten kann (und wo wird besserer produziert als im Land des Elchschinkens?). „Haus auf dem Land“ glänzt durch Ironie und Wortwitz, „So wenig wie möglich“ durch zackigen NDW-Beat und Gesangsmodulationen die einem die Freudentränen in die aufgerissenen Äuglein treiben. Eine Platte ohne Ausfall, mal getragen, mal nachdenklich und dann wieder hüpfend wie ein Flummi. Eingängige Melodien kommen hier gerne etwas windschief daher, Ohr-und Wattwurm sind vielleicht doch verwandte Spezies.

Bei Stuertz wirkt das alles ganz einfach. Obwohl die Arrangements verfrickelt sind wie ein 50000 Teile Puzzle von Ravensburger, sind sie nie bombastisch oder überladen. Die Gitarren zirpen klar und meist unverzerrt, dazu gibts eine Orgel, ein staubtrockenes Schlagzeug und einen melodieverliebten Bass. Stimmlich fühlt sich der Hörer oft an Element of Crime erinnert, auch wenn die Theatralik der Regener-Combo fehlt. Ebenso geht der Platte erfrischenderweise dieser Nabelschau-Befindlichkeitslyrik-Gestus ab, der ähnliche Veröffentlichungen oft ungenießbar macht. Stilistisch bleibt „So lange…“ allerdings so poppig konsequent, dass dem beinharten Hardcore-Fan auf jeden Fall vom Kauf abgeraten sein soll. Wer es leicht mag, auch an Regentagen die sonnige Seite des Lebens nicht vergisst und sich nicht zu cool ist auch mal Uuuh und Aaah und Shalala zu singen ist mit „So lange es ohne Luftholen geht“ allerdings bestens bedient.

Timo Richard 7,5/10

TRUST FANZINE
07/2007
http://www.hinterlandt.com/zine/solang.htm

Das Debut-Album des Hamburger Songwriters Sebastian Stuertz ist auf den ersten Blick einfach ein Pop-Album mit einem Schwung von netten Liedern in deutscher Sprache. Doch scheint gerade diese vermeintlich harmlose Platte extrem zu polarisieren, wird sie doch an den verschiedensten Stellen im Internet wie auch im richtigen Leben mit ungeahnter Vehemenz diskutiert. Manche halten sie für banal und langweilig, andere empfinden derartige Aussagen wie eine persönliche Beleidigung und verteidigen das Album, als ob sie es selbst aufgenommen hätten. Eins muß gleich klar gestellt werden: banal sind weder die Texte noch das Songwriting, es ist eher das Gegenteil der Fall, alles ist sehr durchdacht und wenig wird dem Zufall überlassen. Hier wurde an jedem Wort und jedem Akkordwechsel gefeilt, bis sich die Details perfekt in den Dienst des Liedes stellen. Die Musiker sind hervorragend aufeinander eingespielt und agieren mit der Lässigkeit, mit der sie auch in ihren anderen Bands wie Nice New Outfit bestechen. Sebastians Texte sind seit jeher ausgesprochen nah am Mann gehalten, wodurch sie eine Intensität erhalten, die eine Auseinandersetzung oder zumindest eine Stellungnahme erfordert, statt wie bei den meisten anderen Bands geflissentlich am Hörer oder der Hörerin vorbei zu säuseln. Sicher, damit handelt man sich unter Umständen auch Kritik sein. Da werden alltägliche Begegnungen und intime Geständnisse mit der großen Sehnsucht und biergetränkten Selbstzweifeln vermischt, thematisch also das große Indie-Kino. Doch glücklicherweise gibt es ein fein gewobenes Netz von selbstironischen Bemerkungen und so folgt einer etwaigen alltags-soziologischen Beobachtung immer auch das augenzwinkernde Friedensangebot dessen, der längst erkannt hat, dass er es eigentlich auch nicht besser weiß. Technisch bleibt zu sagen, dass das Stuertz-Debut von Gregor Hennig aufgenommen, gemischt und in Szene gesetzt und von Chris von Rautenkranz gemastert wurde, so dass auf dem Sektor nicht viel schief gehen konnte. Noch einmal, die Musik der Stuertz Band ist näher an Elvis Costello als an Tocotronic und wer diese Platte zum Gegenstand eines selbstgefälligen Diskurses über deutschsprachige Popmusik macht, der hat sie von vorne herein missverstanden. Locker bleiben, das hier ist gute Musik, die einfach Spaß macht. Daß man in Reimen spricht, passiert im echten Leben doch ohnehin nicht.

Jochen Gutsch

 

ROTE RAUPE
08.07.2007
http://www.roteraupe.de/index.php?site=review_detail&id=6732

Vielen dank, dass ihr eure Musik gleich selbst auf den Punkt bringt:“ Nach 2 Strophen ein Refrain, drei Akkorde die jeder kennt und lieb und ein Text wo es nichts zu deuten gibt.“ Leider ist euch nur ein kleiner Fehler unterlaufen. Die drei Akkorde kennt zwar jeder, aber lieben wird man diese bei euch nicht. Befindlichkeits-Pop auf Deutsch ist sehr schwer überzeugend umzusetzen. „Stuertz“ gehen die Aufgabe an und versagen auf ganzer Linie. Schon zu Beginn des Albums klagt eine leidvolle Stimme quälend lange „ich warte schon so lang, so lang so lang soooo lang“ bis ich selbst das Gefühl habe eine Ewigkeit zu warten. Wie lange kann so ein Lied eigentlich dauern. Ich hoffe das die Person auf die der Sänger wartet endlich um die Ecke biegt und ihn und uns erlöst.

„Stuertz“ haben aber noch mehr Asse im Ärmel. Darauf ist verlass. So auch in „Haus auf dem Land“, das glaube ich eine Art Protestsong gegen die Veränderungen des ältern sein soll. Dazu gibt es dann eine seltsam kindische Melodie, mit der die Band vielleicht den Peter Pan Effekt erzielen will. Dabei vergessen sie nur, dass zwischen kindisch und kindlich ein gewaltiger Unterschied liegt. Aber was will man von einer Band erwarten die folgende Reime in ihre Lieder einbaut. „Leider gibt es auch Regen in Schweden.“. Zwar singen sie im Anschluss sofort: „Ich will belanglos sein.“, doch wer damit eine Entschuldigung bzw. Berechtigung erzwingen will geht den falschen Weg. Und diesen gehen „Stuertz“ vom ersten bis zum letzten Lied. Musikalisch haben „Stuertz“ zwar mehr zu bieten als textlich. Abheben von zäh gekauten Standards können sie sich damit aber auch nicht. Dazu ist das gesamte Album zu berechenbar.

tore

 

INTRO
19.06.2007
http://www.intro.de/platten/heimspiel/23041818

Wie ist das, wenn man sich nach dem Namen des Sängers benennt, aber trotzdem als Band wahrgenommen werden will?
Ohne die andern drei wäre Stuertz immer noch überproduzierter Laptop-Pop. Oft genug bringe ich Songs mit in den Proberaum, die von den Jungs abgeschmettert werden. Wir arbeiten nicht anders als andere Bands, die auch einen Haupt-Songschreiber haben.

Manche Songs auf der Platte wirken so, als ob dort bestehende Texte vertont wurden.
Wie interessant! Bei mir entstehen Text, Akkordfolgen und Melodie eigentlich immer gleichzeitig und beeinflussen sich dabei gegenseitig. Ich habe noch nie einen Text geschrieben, den ich – wie Wolf Biermann das z. B. macht – anschließend vertone.

Element Of Crime werden im Info als Referenz genannt. Wie wichtig ist diese Band für euch?
Als Sven Regener zu Beginn der 90er begann, Deutsch zu singen, hat das viel bei mir in Gang gesetzt. Was Regener sprachlich so macht, lässt mich immer wieder niederknien. Aber musikalisch haben Element Of Crime mich nicht so sehr beeinflusst. Einen Hang zur Melancholie entwickelt man ja nicht, weil man melancholische Musik hört, es ist genau andersherum. Bands, die mich musikalisch geprägt haben, sind die Beatles, Cure, Metallica, Tom Waits, Police. Musik aus der Teenagerzeit halt – das ist ja die prägendste Zeit.

 

Interview: Christian Steinbrink

 

TERRORVERLAG
06.07.2007
http://www.musik.terrorverlag.de/rezensionen.php?select_cd=5455

 

Bereits mit süßen 14 Jahren widmete sich Bandnamensgeber Sebastian Stuertz im heimischen Steinhude der elektronischen Musik, die er vermittels eines C 64 schuf. Es folgten Wave Rock, punkiger Pop, Mexiko Ska, elektronischer Instrumentalmusik, Electroswing und irgendwann auch der STUERTZ-Sound, der seit 2002 gemeinsam mit Frank Wörler (E-Piano & Synths), Alexander Blanke (Bass Percussion, Chor) und Andreas Fritzsche (Schlagzeug, Percussion, Chor) ausgetüfftelt wird. Nach einem Demo vor drei Jahren, kommt jetzt das Debüt der Hamburger in die Läden und von nirgendwo anders als aus der Hansestadt könnten die Jungs auch kommen, derart wie sie mit der Hamburger Schule verwoben sind.

Bei den ersten Akkorden der charmanten Single-Auskopplung „So lang so lang so lang“ weiß ich nicht so recht, ob ich jetzt mehr an DIE STERNE oder SELIG erinnert werde. „Du bist nicht allein“ ist ein kleines mit Pianoklängen veredeltes Kleinod, während „Kein Pferd“ auch ein wenig BLUMFELD durchblitzen lässt. Sympathische Selbstironie verrät das melodiöse „Schweden“ und auch „Haus auf dem Land“ gefällt mit eingängigen Rhythmen, die hier und da etwas brüchig rüberkommen. Zarte Gitarren machen „Zehn nach zehn“ aus, „Unbeweint“ braucht ein bisschen, um auf Touren zu kommen, dafür gibt „So wenig wie möglich“ deutlich mehr Gas, der Indie will ja auch mal tanzen! Zu solcherlei Betätigung taugt auch „Nichts davon ist wahr“, wenn man es nicht ganz so schweißtreibend mag. Slow Motion verspricht „Haus am Meer“, bevor „Wenn ich Dich nicht hätte“ den Brückenschlag zwischen REINHARD MEY und ELEMENT OF CRIME schafft.

Schöne Melodien treffen auf teilweise absurde Texte, die gar nicht erst für sich in Anspruch nehmen, weltbewegende Messages zu enthalten. Stattdessen gibt’s amüsante Alltagsepisoden, die inmitten perlenden Gitarrenpops bestens aufgehoben sind. Den letzten Schliff geben die wie zufällig eingestreute Klarinette bzw. Violine. Ein nettes Album für einen netten Urlaubstag oder ein vergammeltes Wochenende, das im Booklet für jeden Song ein eigenes Cover bereit hält.

Ulrike Meyer-Potthoff

 

JUSTMAG
07/2007
http://www.justmag.net/artikel_stuertz_luftholen.html

An einem nasskalten Julitag liegt dieses Album in meinem Briefkasten, der Umschlag ist voller Regentropfen. Ich werfe es in die Anlage und höre zu: „Wo bleibst du?/ Ich warte schon so lang/ so lang, so lang, so lang/ Das Warten macht mich krank/ Mein Leben liegt in deiner Hand/ Wo bleibst du denn so lang?“ Dazu fröhliches Gitarrengeschrammel, simple Akkordfolge, eben was zum Tanzen. „Ah, deutscher Sommerpop!“, denke ich. Ganz nett, aber schon tausendmal gehört und irgendwie ist mir heute nicht so danach.

Aber immerhin wurde die Platte von Swen Meyer produziert, der seine talentierten Hände auch bei Olli Schulz, Tomte, Kettcar und Bernd Begemann im Spiel hatte, die Erwartungshaltung ist hoch. Also schnell weiter skippen, was kommt denn jetzt? „Du solltest wirklich langsam wissen/ Dieser Schmerz gehört nicht dir allein/ Es geht uns allen so beschissen/ und den Schmerz musst du leider mit uns teilen.“ Aha, schon besser. Endlich sagt es mal jemand. So langsam fallen mir auch die Klarinetten auf. Die Pianos, Synthies und Violinen und noch einiges mehr, was mich beeindruckt.

Den vorläufigen Höhepunkt erreicht die Platte mit Schweden. Sehr verspielt, einfach nur entspannt und leicht. „Ich hab den Käfer lieb/ der dort zu meinen Füßen übern Felsen kriecht/Ich will ein Hippie sein/und nicht nur drüber reden/in Schweden.“ Entzückend, und das meine ich wirklich ernst. Stuertz wollen auf gar keinen Fall schwierig sein, und das ohne große qualitative Abstriche hinzubekommen, ist wiederum harte Arbeit. „Nach zwei Strophen ein Refrain/ Drei Akkorde/ die jeder kennt und liebt/ und ein Text, wo es nichts zu deuten gibt“.

Auf den ersten Blick scheint dies das Konzept des kompletten Albums zu sein, erweist sich auf den zweiten Blick aber als pure Koketterie. Stuertz können mehr als das, wenn sie im Dreivierteltakt den idealen Lebenswandel der Jugend von heute beschreiben. Gesundheitsbewusst leben, Kontakte pflegen, Karriere machen, sich um die Familie kümmern. „…und irgendwann ein Haus auf dem Land.“ Trotz der Gemächlichkeit, die vom Lied ausgeht, wird klar, dass das alles gar nicht so einfach ist. Textlich und musikalisch gesehen trifft man hier auf viele alte Bekannte. Trotzdem können Stuertz an vielen Stellen überraschen und liefern eine Platte ab, die diesen Sommer locker überlebt. Ist sowieso viel zu kalt für platte Gute-Laune-Melodien.

Linda Wilken

 

CRAZY WIRE
08.07.2007
http://www.crazewire.de/platten.php?ident=1897

 

Man, was waren das noch für Zeiten. Samba sangen von Delphinen und Tocotronic von Gitarrenhändlern, die sie übers Ohr hauen wollen. Damals betitelte man deutschsprachige Musik meist als Hamburger Schule, oftmals auch ohne dass die Band aus Hamburg kam. Trotzdem wusste man was einen erwartete, kaufte man sich eine ebenso betitelte Platte. Einige Jahre später sangen Kettcar von einem Skateboard, dass der Zahnarzt bekommt, Tomte saßen hinter Gardinen und schauten auf die Straße und Ollie Schulz zauberte dem Zuhörer vor Weakerthans Konzerten ein Lächeln ins Gesicht, bevor sie sich den grandiosen Kanadiern hingaben. Da die Hamburger Schule längst geschlossen wurde, nannte man das dann deutschsprachigen Indierock, was in etwa genau so nichtssagend ist.

Warum ich das erzähle? Weil die vorliegende Veröffentlichung von Stuertz genau in diesen Rahmen passt. Seichte Musik, der man die Punkrockwurzeln einzelner Mitglieder anhören soll, es aber nicht tut, Texte bei denen man nicht weghören soll, es aber nach dem dritten Song tun muss.

In Zeiten, in denen auf Kettcar Konzerten artig in die Hände geklatscht wird und jede zweite Band versucht Thees Uhlmann nachzueifern -womit man allerdings nur scheitern kann-, mag Stuertz ihre Berechtigung finden…für mich gilt das jedoch nicht.

Punkte: 4 von 10

Lasse Paulus

 

OX FANZINE
07/2007
http://www.ox-fanzine.de/reviews/rid/56313/stuertz-so_lang_es_ohne_luftho.23.html

Komischer Name für eine Band, STUERTZ, oder nicht? Hinter STUERTZ steckt ein Mann, nämlich Sebastian Stuertz, der seine Musik mit einer nach ihm benannten Band vorträgt. Na gut, für Namen kann ja niemand etwas. “So lange es ohne Luftholen geht” enthält elf pfiffige und wortgewandte Lieder über Leben und Liebe, Schweden und Pferde und das unbekannte Du. STUERTZ gehören zur “neuen” Generation intelligenter deutscher Künstler wie KETTCAR, Olli Schulz, TOMTE, MADSEN, Max Schröder und wie sie alle heißen. Da ist es wenig verwunderlich, dass auch die Produktionskoryphäe der deutschen Popmusik, Chris von Rautenkranz, am Entstehungsprozess dieser Platte beteiligt war. “So lange es ohne Luftholen geht” ist neues Futter für alle diejenigen, die sich für die Musik der oben genannten Künstler begeistern können. Ich bin schon satt, und deshalb wird es für mich noch lange ohne STUERTZ gehen.

Arne Koepke