Duft

  Eine Frau steigt zu mir ins leere Zugabteil. Verspeist eine Banane. Beginnt dann ihre Nägel – glücklicherweise nur die der Finger – zu lackieren. Erstaunlicherweise trägt die stark geschminkte Mitreisende weder „Poison“ noch „Opium“ – für meine Nase die beiden abstoßendsten Parfums, die je ein Duftatelier verlassen haben. Hatte ich schon erwähnt, dass ich eine Nase habe? Natürlich klingelt jetzt noch ihr Marimbaphone in Fliegeralarmlautstärke. Langsam erreiche ich das Alter, in dem Erste-Klasse-Tickets als sinnvolle Investition erscheinen. Obwohl die an Körperverletzung grenzende Überdosierung von Parfums auch – oder gerade – in der „besseren Gesellschaft“ gepflegt wird. Ich weiß wirklich nicht, was schlimmer ist: wenn meine Riechzellen in einem Bahnabteil von Banane/Döner/hart gekochtem Ei attackiert werden, oder wenn ich einen der Düfte ertragen muss, die als „sinnlich“ oder „orientalisch“ vermarktet werden und mit denen sich Trägerinnen ohne Gefühl für die…Continue reading Duft