BESTER MONAT BISHER

Das war er also, der spannendste Monat meines noch recht jungen bzw. kurzen Autorenlebens.

Ab wann ist man eigentlich Autor?
Erst, wenn man veröffentlicht hat?
Und ab wann Schriftsteller?
Wenn man davon leben kann?

Während Autor:in als „erlaubte“ Eigenbezeichnung in Ordnung geht, gilt Schriftsteller:in  oder gar Romancier:e als prätentiös. Jedenfalls ist das meine Wahrnehmung. Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff Dichter:in vs. Lyriker:in. Oder könntet ihr jemanden ernst nehmen, der sich euch auf einer Party als Dichter  vorstellt? (mit großem D, nicht mit kleinem.) Ich leider nicht, so lange er nicht Rainer Maria heißt und im DeLorean vorgefahren ist.

Eines von vielen Themen, die um so interessanter werden, wenn man die unterschiedlichen sprachlichen Nuancen und Wahrnehmungen im Spanischen, Italienischen, Französischen usw. gegeneinander halten kann. In Lateinamerika gilt es in gewissen Kreisen offenbar als geradezu politisch unkorrekt, sich selbst als Autor:in zu bezeichnen. Man soll sich nicht größer machen als die Nicht-Autor:innen, und es gibt Leute, die Bücher darüber schreiben, dass Bücherschreiben elitär ist.

Das Ledig House. Hier habe ich einen Monat mit 10 Autor:innen aus aller Welt verbracht.

Vieles ist für schreibende Menschen ähnlich, egal wo sie leben und arbeiten, und doch ist alles auch ein wenig anders in Frankreich, Italien, Mexiko, Portugal, Nigeria und den USA als bei uns in Deutschland. Es tut gut, zu hören, wie alle auf ähnliche Weise am strugglen sind, das Konzept von Wasserglas-Lesungen hassen (der Begriff hat Erheiterung ausgelöst: water glass reading) und mit der Diskussionskultur auf Twitter fremdeln.

Während ich am JFK Airport auf meinen Flieger warte, poppen hin und wieder Nachrichten und Bilder in unserer ART OMI Chatgruppe auf, einige sind bereits vor einer Woche in die Heimat oder auf Lesereise aufgebrochen, und heute ist der Rest von uns auch nach und nach verschwunden. Das Abschiednehmen war wirklich schmerzhaft, denn das Leben, das wir für einen Monat dort geführt haben war ein absoluter Traum. Ich fühle mich ja immer noch neu in der Schriftstellerwelt, es war also das allerbeste, vier Wochen lang nahezu ausschließlich übers Schreiben zu reden, mit diesen unfassbar netten, lustigen und klugen Menschen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.

Die zehn anderen und ich – und Rita, unsere geliebte Köchin

Interessanterweise hat diese Residency bei mir etwas ausgelöst, womit ich nicht gerechnet hätte. Da wir auch immer wieder über how I got into writing geredet haben, habe ich lange nicht mehr so viel über meine (nicht-)Karriere als Musiker gesprochen. Irgendwann wollten meine fellow residents Musikvideos sehen, Sebastian mit langen Haaren, als Indiepopper mit der STUERTZ-Band oder als Cyborg Stubenhacker war natürlich ein Spaß. Und beim Ansehen der Clips habe ich gemerkt, dass ich im Herzen Musiker geblieben bin. Es gibt auch noch immer tonnenweise fertige Songs, die ich nur mal vernünftig aufnehmen/produzieren müsste … also habe ich mir vorgenommen: 2023 werde ich ein Album mit Gesang rausbringen. Ob als Stubenhacker oder als Stuertz wird sich noch zeigen. Das Schöne daran ist: der Druck und die Sehnsucht nach Erfolg ist raus, das Plattenmachen darf jetzt ein Hobby sein. Denn Popstar werde ich ganz sicher nicht mehr, damit habe ich abgeschlossen. Ich hatte mir schon früh gesagt: wenn ich „es“ mit 40 nicht geschafft habe, kann ich immer noch Schriftsteller werden. Und immerhin: Ich bin jetzt Autor.