Ruslan auf der Shortlist für den Deutschen Hörbuchpreis 2022

Achtzehn Nominierte, drei pro Kategorie, und mein Hörbuch ist eines von dreien in der Abteilung „Unterhaltung“ – das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, als ich im November 2021 im mare Künstlerhaus in den Luxus-Lockdown ging, um RUSLAN AUS MARZAHN zu schreiben. Charly Hübner ist natürlich ein Endmonster, an dem es kaum ein Vorbeikommen gibt, aber ich freue mich, mit dabei zu sein. Sein Motörhead-Beitrag zur hervorragenden Musikbibliothek bei KiWi kann ich jeder Person empfehlen, die schon mal ihr Haupthaar zu Ace of Spades geschüttelt hat. Das Hörbuch ist, wie alle Bände der Reihe, von ihm selbst gelesen. Ich habe also eine „Sozialkomödie“ (SWR) geschrieben – was auch immer das ist. „Schelmenroman“ (s. Begründung der Jury unten) gefällt mir schon besser. So oder so, ich freue mich sehr! In diesen trüben Tagen sind es solche Nachrichten, die ein wenig…Continue reading Ruslan auf der Shortlist für den Deutschen Hörbuchpreis 2022

Sehr kurzer Jahresrückblick

Die Highlights:Wahnsinn, ich habe mehrere Stipendien erhalten, u.a. war ich eine Woche in Gotha in der Forschungsbibliothek.Ich habe das erste Mal seit meiner Kindheit vier Wochen am Stück Urlaub gemacht! In Italien. (Oder war das letztes Jahr? Alle Zeit verschwimmt zu einer Soße in dieser verfluchten Pandemie.)So oder so: ich vermisse Rom.Ich habe das Hörbuch „RUSLAN AUS MARZAHN“ veröffentlicht, und es steht verrückterweise auf der Longlist für den Deutschen Hörbuchpreis 2022. Drückt mir gerne die Daumen.Ich habe nicht viele, dafür aber einige sehr gute Bücher gelesen. Ich war eine Woche in Lektoratsklausur, jetzt gerade schleife ich den nächsten Roman.Der erscheint im August 2022 und wird „DA WO SONST DAS GEHIRN IST“ heißen. Außerdem erscheint etwas, von dem ich noch nichts erzählen kann – auf das ich mich aber mindestens genauso freue.Wir haben das Taschenbuch von Charlie mit der Band in…Continue reading Sehr kurzer Jahresrückblick

Bordtagebuch, Sonntag, 21.11.2021

Heute stelle ich mir zum ersten Mal einen Wecker, denn Christian geht von Bord, und ich möchte mich natürlich verabschieden. Bis nach Haren ist es nur eine Stunde, und da wir heute kurz vorm Stahlwerk anlegen um zu übernachten und morgen noch den ganzen Tag  gelöscht wird, kann er für zwei Tage nach Hause. Der Audi wird mit dem Bordkran an Land gesetzt, auch der alte Bordhund Aaron Killer hat kurz Landgang und inspiziert im Rentnertempo das Ufer, dann geht es weiter. Michael übernimmt jetzt das Schiff. Ich bin ja am Steinhuder Meer in Niedersachsen aufgewachsen. Wenn man mit dem Auto in die nächste Großstadt fuhr, also nach Hannover, konnte man entweder über die Autobahn – oder auch über die wesentlich ruhigere und schönere Kanalstraße fahren, die ein Stück am Mittellandkanal entlangführt. Heute fahre ich das erste mal AUF dem…Continue reading Bordtagebuch, Sonntag, 21.11.2021

Bordtagebuch, Samstag, 20.11.2021

Heute müssen wir durch sechs Schleusen, das bedeutet: viel Wartezeit. Die Schleusen in den Niederlanden sind breiter und länger, da passen auch (je nach Größe) drei bis vier Schiffe gleichzeitig rein. Hier in Deutschland ist die Schleuse mit einem Schubverbund wie der MS MICHAELA dicht. Und so bilden sich manchmal Schlangen vor der Schleuse. Der Schleusenarbeiter ist mit einem Haken gesichert, wie beim Bergsteigen, wirft ein Seil herunter, und mit dem zieht er das dicke Seil der Michaela hoch und macht es fest. Während das Wasser langsam ansteigt müssen die Matrosen an der Winde das dicke Seil aufwickeln und straff halten, so lang, bis wir oben sind und die Schleuse sich öffnet. Während der Fahrt sind die Jungs unter Deck im Maschinenraum und schleifen alles, um es anschließend neu zu lackieren. Eine echte Sisyphos-Arbeit: Das komplette Schiff wird nach und…Continue reading Bordtagebuch, Samstag, 20.11.2021

Bordtagebuch, Freitag, 19.11.2021

Ein herrlich ereignisarmer Tag. Während wir die Waal herunter Richtung deutsche Grenze schippern, schrubben Pavel, Bartosz und Michael das Deck, was nach jedem Ladevorgang dran ist. Zwar ist der Walzdraht nicht besonders staubig und das Schiff anschließend nicht so eingesaut wie bei Kohle, aber jeder Ladevorgang macht Dreck. Und dieses Schiff ist wirklich extrem sauber, vor allem innen – da bin ich von den Containerschiffen aus Bremen ganz anderes gewohnt. Das andere Ereignis des Tages: Weil der Sprit in den Niederlanden günstiger ist, tanken wir kurz vor der Grenze nochmal. Währenddessen mache ich allerdings ein ganz ausgezeichnetes Nickerchen. Zwar sehe ich aus meinem Fenster noch, dass ein Boot anlegt, aber erfahre erst später, weshalb. Natürlich gibt es auch für Binnenschiffe Tankstellen. Doch die MS MICHAELA ist zu lang, also kommt das Bunkerschiff zu uns. Um mal eben knapp 20.000 Liter…Continue reading Bordtagebuch, Freitag, 19.11.2021

Bordtagebuch, Donnerstag, 18.11.2021

Gestern Abend lange gelesen, endlich mal wieder ein gutes Buch, bei dem man sich schon aufs Weiterlesen am nächsten Tag freut. Ist das nur bei mir so selten geworden? Ich musste in letzter Zeit drei Bücher in Reihe weglegen, zum Glück habe ich das inzwischen gelernt. Das Leben ist zu kurz, um sich durch langweilige Bücher zu quälen.Als es morgens mit dem Verladen der riesigen Drahtrollen aus Indien losgeht, schaue ich einmal kurz auf der Brücke vorbei, lege mich aber bald wieder hin. Irgendwie war ich noch nicht ganz mit Schlafen fertig. Lange lesen, lange schlafen – ein bisschen Urlaub ist dann doch angesagt. Vor allem, weil wir ja im Hafen liegen und heute nicht mehr viel passiert. Auf der anderen Seite des Wassers kann man etwas vom fancy Rotterdams sehen, moderne Gebäude, Cafés, Wassertaxis – wenn wir hier den ganzen…Continue reading Bordtagebuch, Donnerstag, 18.11.2021

Bordtagebuch, Mittwoch, 17.11.2021

Es ist herrlich, aufzuwachen, aus dem Fenster zu schauen und zu sehen, dass das Schiff schon fährt. Das gemütliche Tempo, Vater und Sohn, die ein eingespieltes Team sind und Humor haben, die niederländischen Funksprüche, Schiffsführer Christian, der in seinem Chefsessel ruht und das unglaublich lange Schiff mit 15 – 18 km/h sicher durch die Kanäle schippert. Links und rechts die vorbeiziehende Landschaft, hin und wieder ein Schleusenstopp, den Nachbarschiffen zuwinken – all das bringt mich so wahnsinnig gut runter und zurück zu mir. Den verregneten Vormittag verbringe ich mit Schreiben. Diese Reise ist ja kein Urlaub – auch wenn die Arbeit Spaß macht. Um ehrlich zu sein: Schreiben fühlt sich für mich selten wie Arbeit an. Anscheinend habe ich da Glück, denn ich kenne viele wehklagende Kolleg:innen, denen die Arbeit an ihren Romanen aus mir nicht bekannten Gründen Schmerzen bereitet…Continue reading Bordtagebuch, Mittwoch, 17.11.2021

Bordtagebuch, Dienstag, 16.11.2021

Gestern, nach Ankunft, bringe ich Koffer und Rucksack in mein Zimmer und mache mich frisch. Dann betrete ich die Wohnräume der MS MICHAELA. Schiffsführer Christian und Sohnemann Michael haben es sich in einem überraschend geräumigen Wohnzimmer auf Sofa und Sessel mit Netflix gemütlich gemacht. Ein Raum mit offener Küche, Tresen und Esstisch, auf dem gigantische Screen an der Wand ist das Pausenbild eines Films zu sehen. Es  lässt sich am Fortschrittsbalken erkennen, dass der Film genau in der Mitte ist – ich komme mir vor wie ein Eindringling. Wir werden die nächste Woche auf engstem Raum verbringen. „Ich will gar nicht groß stören“, sage ich, doch die beiden winken ab. Es gibt ein Begrüßungsbierchen und schnell ist der Film vergessen. Ich frage nach den Regeln an Bord.„Du kannst Dich hier frei bewegen und in der Küche alles benutzen. Drinnen nur Hausschuhe,…Continue reading Bordtagebuch, Dienstag, 16.11.2021

Bordtagebuch, Montag, 15.11.2021

Heute ist es also soweit. Ich gehe für eine Woche an Bord des Binnenschiffs MS Michaela. Mittwoch war ich mit dem Eigner und Schiffsführer Christian (bisher dachte ich fälschlicherweise, dass auch die Binnerschiffbosse „Käpt’n“ heißen) zum Telefonieren verabredet, um herauszufinden, wo ich am Samstag zusteigen kann. Als „Partikulier“ ist er mit dem eigenen Schiff unterwegs und kriegt die Aufträge kurzfristig von einem Makler rein, weiß also nie, wo es nächste Woche hingeht. Als wir am Mittwoch telefonieren, zeichnete sich ab, dass der Samstag schwierig wird. Der Rhein hat gerade Niedrigwasser, und dann wird auch noch eine alte Brücke abgebaut, so dass er eine ungeplante Zwangspause einlegen muss, doch keiner weiß, wie lang genau. Sicher ist nur: Montag liefert er Hochofenschlacke nach Lixhe, das ist an der niederländischen Grenze, kurz unter Maastricht. Sicherheitshalber telefonieren wir Sonntag Abend nochmal, dann buche ich…Continue reading Bordtagebuch, Montag, 15.11.2021

Ruslan aus Marzahn: 12.7.2021

Gestern habe ich das finale Skript an den Hörverlag geschickt, und schon nächste Woche ist Shenja Lacher im Studio, um es einzulesen. 2019 traf ich mich mit Shenja und den Frauen vom Hörverlag in München zur Feier des Charlie-Hörbuchs, das Shenja ebenfalls eingelesen hatte. An diesem denkwürdigen Abend erzählte er, der in Marzahn aufgewachsen ist, diverse Anekdoten aus seiner Jugend und von seiner russischen Verwandtschaft – und wir alle lachten Tränen.  Dr. Christiane Collorio vom Hörverlag fragte mich anschließend, ob ich nicht ein Hörbuch schreiben möchte, inspiriert von den Anekdoten und Motiven aus Shenjas Biografie – welches Shenja dann einlesen würde. Ihn mitsamt Stimme als Vorlage für eine Figur zu haben stellte sich als absolutes Geschenk heraus: Ruslan sieht aus und spricht wie Shenja. Ansonsten stimmen nur die groben Eckdaten der beiden überein (Schauspieler aus Marzahn, erst am Theater, dann…Continue reading Ruslan aus Marzahn: 12.7.2021