CHARLIE BERG – WIE ALLES BEGANN

Die ersten Kapitel und Notizen zu den Figuren aus dem Charlie-Berg-Kosmos stammen aus dem Jahr 2006. Einige Sätze von damals haben es sogar ins finale Manuskript geschafft.

Zu Beginn hieß Charlie noch „Charley“, den Bezug zu Charlie „Bird“ Parker habe ich erst später hinzugedichtet.

Von Fritzi hatte ich eine überraschend klare Vorstellung von Beginn an.

Die Idee, alles etwas GESUNDZUSCHRUMPFEN habe ich allerdings bald wieder verworfen. 😂

Total vergessen: Charlies Vater, Dito Berg (der zu Beginn noch ‘Dido‘ hieß) hatte erst noch einen Bruder Klaus – der Clown war, und schwul, und deshalb vom Vater (Charlies Opa, dem Nazi) verstoßen wurde. Ich wollte Opa Bardo Aust Kratzer (hier noch Willi Neuman), als er im hohen Alter erstmalig eine Vorstellung seines Clown-Sohns besucht, während der Vorführung sterben lassen – vor Lachen. Aber es kam alles ganz anders … Onkel Klaus habe ich irgendwann aussortiert. Eine Clowns-Figur gibt es dafür in meinem neuen Buch.

Im Jahr 2006 verbrachte ich zehn Tage im Schweigekloster Kornelimünster und überlegte, ob ich das Musikmachen sein lassen sollte. Ich war 32, zweifacher Familienvater, und wir hatten mit meiner Band STUERTZ gerade ein Demo aufgenommen. Gerüchten zufolge gab es Interesse eines bekannten Hamburger Labels – das aber bald danach Konkurs anmeldete.

Ich ging ins Kloster, schwieg und schrieb, unter anderem einen zwölfseitigen Brief an meinen Schulfreund Matthias, der damals in Barcelona wohnte und als freier Lektor arbeitete. Ein Brief, der sich unter anderem mit genau dieser Frage beschäftigte: soll ich weiter Musik machen, von einem Plattenvertrag träumen, mit Familie, nach Feierabend – oder vielleicht nicht doch besser meine Energie ins Schreiben stecken?
Der Brief ging auf dem Weg nach Spanien verloren.

Quelle: abtei-kornelimuenster.de

Zehn Tage schwieg ich mit den Mönchen, und schrieb ich in meine Kladde und lief ich durch Kornelimünster, und beim Laufen hörte ich irgendwann unsere Demo-Aufnahmen. Beim Song SO LANG SO LANG SO LANG wusste ich es:
Ich muss Musik machen.
Ich kann jetzt nicht aufgeben.
2007 erschien unser Album SO LANG ES OHNE LUFTHOLEN GEHT beim Bremer Label Sopot Records.

Foto: www.tarawolff.com

Ein Musikmanager besuchte uns im Proberaum, und fragte, ob wir 100 Konzerte im Jahr spielen können. Mit drei Familienvätern in der Band war die Antwort klar. Wir lösten die Band bald danach auf.

Es folgte eine Phase, in der ich Techno produzierte, dann entdeckte ich Melodyne (die coole Schwester von Autotune) und erfand den Stubenhacker, einen singenden Cyborg. Dieses videolastige Projekt beschäftigte mich ein paar Jahre, beanspruchte meine gesamte kreative Energie – und brachte mir meinen dritten Plattenvertrag ein, diesmal immerhin mit Tapete Records, einem angesehenen Indielabel.

An Charlie schrieb ich nur ganz selten, zwischen den Jahren, ohne Plan oder echtes Ziel. Ich hatte einfach keine Zeit – und vor allem keine Ahnung von der Literaturbranche (und vom Schreiben schon gar nicht). Außerdem hielt ich es nach meinen Erfahrungen als Musiker für illusorisch, einen Buchvertrag zu bekommen. Einen Roman zu veröffentlichen, das war einer dieser Träume, die man sein Leben lang träumt, obwohl man ganz genau weiß, dass sie niemals wahr werden.


Heute ist Matthias mein Lektor. 🤓