Quality Content in Times of Corona

Wir Künstler sind alle in der gleichen Situation: Auch ohne Corona schon immer diejenigen, die nach Aufmerksamkeit gieren, sei es auf der Theater- & Konzertbühne oder auf Lesereisen. Und jetzt betteln sogar die, die sonst eher onlinefaul sind im Internet darum, im Mittelpunkt zu stehen, ich selbstverständlich auch – aber ich bin sowas von müde.

Alle möglichen gebeutelten Kulturschaffenden posten, talken, streamen irgendwas irgendwohin, ganze ehrlich: unterhaltsam ist leider die Ausnahme. Lesungen finde ich schon im echten Leben oft zu lang und zu öde – ich gehe eigentlich nur wegen des Talkteils zu solchen Veranstaltungen bzw. um Menschen zu treffen oder kennenzulernen. Jetzt finden sie schlecht ausgeleuchtet und mies klingend statt, ich habe bisher nur ein paar Minuten in eine reingeguckt, von Menschen, die ich interessant und sympathisch finde, deren Bücher ich auch gut finde oder zumindest für lesenswert halte, habe es aber rein klangtechnisch und ästhetisch wirklich nicht lange ertragen. Will ich da also mitmachen, ein Debütant, den quasi niemand kennt, dessen Erstling eines der vielen Opfer der Corona-Krise ist (mimimi!) und der jetzt jede Aufmerksamkeit braucht? Ich könnte heulen, na klar, es ist fürchterlich, ich habe viele Jahre an diesem bekloppten Buch gefeilt, einen tollen Verlag gefunden, und jetzt: PUFF. Muss ich da also mitmachen, um nicht komplett übersehen und vergessen zu werden? Ja, leider, und na klar, macht doch auch Spaß irgendwie, aber nein, nervt doch total: „Hallo, ich habe ein Buch geschrieben, hier bin ich, hier hier hier!“ Es fühlt sich schmutzig an – schon vor der Krise musste ich mich aufs Übelste beschimpfen lassen für meine Eigenwerbung auf Facebook und Instagram, war auch zeitweise extrem angekotzt von der Notwendigkeit, mitmachen zu müssen und nachträglich entsetzt von den kleinen Dopaminschüben, die ein paar Likes auslösen können, WOW, MEIN ERSTER POST MIT ÜBER XXX LIKES, GEIL, ICH HABE ENDLICH XXX FOLLOWER, kurzer Rausch, und schon bald danach wünschte (und wünsche) ich mir nichts sehnlicher, als eeeendlich einen Bekanntheitsgrad zu haben, der es erlaubt, sämtliche Social-Media-Aktivitäten einfach einzustellen oder, noch besser, von ANGESTELLTEN erledigen zu lassen. Das frisst nämlich Zeit, das ganze Geposte und Kommentiere, da man ja nicht nur postet und kommentiert sondern auch kuckt was die anderen machen, und so ist das einfach nur eine Mischung aus Sucht und Nebenjob, gehört dazu, muss man mitmachen: Eigen-PR. Leider oftmals ein frustrierender Job, da man sich ständig vergleicht, mit beliebteren, erfolgreicheren, lustigeren, schöneren, jüngeren, hipperen, weiseren Leuten. Und immer wenn man ein banales Bild von einem Kuchen oder einer Katze sieht, fällt einem auf, oh Scheiße, ich zeige den Leuten ständig Bilder von meinem UNFASSBAR NIEDLICHEN HUND und mache Bilder von meinen IMMER GLEICHEN WALDSPAZIERGÄNGEN – WER WILL DAS SEHEN??? Und wenn ich dann die witzigen Tweets von Till Raether, Ilona Hartmann, Jan Skudlarek oder Peter Wittkamp lese, oder die klugen, informativen Insta-Posts von Johanna Adorjan oder Insta-Stories von Sophie Passmann, dann denke ich: Wer bin ich eigentlich, dass ich meine, hier mitmachen zu dürfen? Es ist ein Kreuz, ich hasse es, ich will nicht mehr, und jetzt, wo es wichtiger denn je ist, mit QUALITY CONTENT aus der Masse herauszustechen, merke ich, wie social-media-müde ich bin. Die lieben Kolleg:innen Melanie Raabe, Leona Stahlmann und Frank Berzbach legen eine Social-Media-Pause ein, ICH WILL AUCH! Meine Insta-Bubble ist ein endloser Stream aus Buchtipps und digital-Lesungen, dabei ist mein SUB (aka Stapel ungelesener Bücher) inzwischen so groß, dass ich ein extra Regal dafür brauche.

Wie oft war ich schon an dem Punkt, an dem ich dachte: Mein Leben wäre so viel besser ohne Smartphone und Social Media, ohne dieses sich-Produzieren und Vorzeigen und eitler Zurschaustellung von Erfolgen und Glücksmomenten.

Wer will einen Debütautoren über die Notwendigkeit klagen hören, sich selbst vermarkten zu müssen, wenn er im Gespräch bleiben möchte? Angeblich will Melanie Raabe es hören bzw. lesen. Bitte sehr, Melanie, here comes my Gejammer! 

Ich kann nicht aufhören. Corona, dieser Arsch, hat mir mein Debüt derart versaut, und ich habe mein Buch noch nicht aufgegeben. Ich will noch weiter den Kontakt zu Leser:innen von denen mich einige ohne Social Media gar nicht kennen würden, und Kontakt zu den lieben Kolleg:innen pflegen, von denen ich einige ohne Social Media auch nicht kennen würde, ich will Lesungstermine bekanntgeben (es gibt wieder ECHTE LESUNGEN!), will mich mit tollen Rezensionen meines Buches aus dem Insta-Kosmos selbst beweihräuchern und will sehen, wie die großartige Celeste Barber an einer Pole Dancing Stange hängt wie ein nasser Sack. Und freue mich auf die Social-Media-Pause, die hoffentlich irgendwann kommt …

NDR Buch des Monats

Ich freue mich sehr:
Mein Debütroman ist BUCH DES MONATS beim NDR im April.
Es gibt einen tollen Beitrag von Natascha Geier im Kulturjournal.

Moderatorin Julia Westlake:

„Das eiserne Herz des Charlie Berg ist ein rasanter, unglaublich fantasievoll geschriebener Roman mit vielen Volten und klugen Seitensträngen, die sich irgendwann alle verdichten und zu einem großen Ganzen fügen. Es liest sich wie ein Krimi, hat man einmal angefangen, kann man nicht mehr aufhören. Spannend, tief, toll.“

Wow.

Mein Buch ist da. Jippi.

Ja, da kann man sich in diesen Tagen leider nicht richtig drüber freuen. Keine Buchmesse, keine Premierenfeiern, kein Konzert mit der Band, keine Lesereise. Sogar bereits geplante Radiointerviews und TV-Beiträge werden gecancelt. Es ist der denkbar beschissenste Zeitpunkt, um ein Buch zu veröffentlichen.

Das war 2019 – Teil 1: Einen Podcast machen

Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr. Heute: Die Alphabeten – unser Podcast ÜBERS SCHREIBEN

Mein Freund Gerrit und ich produzieren seit Beginn des Jahres unseren Podcast „ÜBERS SCHREIBEN“. Wir hatten tolle Gäste zu Besuch, überwiegend Gästinnen (sechs) und lediglich ein Quoten-Männchen. Drei weitere Folgen haben aus Gründen nie das Licht der Welt erblickt, diese Gründe sind vielfältig und haben u.a. mit Alkohol vs. Technik, Wirtschaftsgeheimnissen, sowie Dr. Jekyll (Mikro läuft) und Mr. Hyde (Mikro ist aus) zu tun. Ihr braucht also bitte nicht weiter zu fragen und müsst mir einfach glauben dass es sehr, sehr, sehr bizarr war. 

Alle Fotos auf der Seite, bis auf die Selfies: Tara Wolff

So oder so – Gerrit und ich werden weitermachen, denn auch wenn es eine Menge Arbeit ist (niemand schneidet so liebevoll Ähms und Ööhs heraus wie wir), und das für ein ziemliches Nischenprodukt (unsere Zuhörer*innen pro Folge liegen im dreistelligen Bereich) ist es doch immer wieder eine große Freude so tolle Vollprofis (siehe Liste unten) zu Besuch zu haben.

Wir treffen uns im Atelier Royal TS, das ist der Workspace, den meine Frau Tara und ich uns teilen. Da gibt es eine Küche und einen Garten, es ist gemütlich, Tara fotografiert den Besuch und uns, zwischendurch machen wir Pause, nach dem Interview sitzen wir oft weiter zusammen, manchmal noch stundenlang, eigentlich hat man danach immer das Gefühl, man hatte einen guten Freund bzw. in den meisten Fällen eine gute Freundin zu Besuch.

Besonders schön, nie geplant, aber hat sich so ergeben: Es ist ein bisschen auch ein „Pärchenprojekt“ geworden, da nicht nur meine Frau die Fotos macht, sondern Gerrits Partnerin Amrei unseren Folgen mit ihrer Profi-Stimme immer noch den letzten Schliff in Form einer knappen Anmoderation gibt. 

LOS ALPHABETOS – Das Alphabeten Podcast-Team v.l.n.r.: Gerrit, Sebastian, Amrei, Tara

Und hier unsere fabulösen Besucher*innen …

Doch halt, wo denn wie denn eigentlich? Gibt es Leute, denen man das noch erklären muss? Anscheinend. Podcasts hören die meisten mit dem Smartphone, also findet ihr uns natürlich über die Apple Podcast App (ehemals „iTunes“, jetzt „Podcasts“) und bei Spotify. Bei Soundcloud leider nur so halb, da ist mein Upload-Engagement ein wenig eingeschlafen. Hört denn eigentlich irgendjemand Podcasts auf Soundcloud? Wäre mal interessant. Ihr könnt auch einfach direkt auf der Website alle Folgen hören:
www.die-alphabeten.de

Lucy Fricke

Open Mike Finalistin 2005, Erfinderin der HAM.LIT, Preisträgerin des bayrischen Buchpreises 2018 – und Bestsellerautorin. Mit „Töchter“, ihrem vierten Roman, gelang ihr endlich der große Durchbruch. Ein tolles, lustiges, bewegendes Buch, das demnächst groß verfilmt wird. Dafür hat sie auch noch das Drehbuch geschrieben, ich werde mir wohl seit langem mal wieder einen deutschen Film im Kino ansehen.

Lucy hat keinen Goldzahn, das sieht nur so aus. Dafür hat sie Goldsätze.

Christian Pfaff 

Texter, Galerist, Reisebuchautor. Ein Tausendsassa, der in der Werbung arbeitet und „nebenbei“ seinen Kunstraum betreibt, das OBERFETT. Und ein Buch geschrieben hat, zusammen mit einem Bildhauer, über einen dreimonatigen Aufenthalt in der Wildnis Kanadas: „Hast du mal die Kanuschlüssel“. Der Bildhauer verziert einen Fels, Christian kocht und vertreibt die Bären. Irre.

Gruppenselfie – die Folge ist noch im alten mookwe-Büro entstanden.

Dagrun Hintze

Ebenfalls Open Mike Finalistin 2005, Lyrikerin, Theaterautorin und Fußballsachverständige (BVB-Fan), spuckt druckreife Sätze, liest News überwiegend auf Papier und hat weder Smartphone noch irgendein Social Media Account. Ihr Lyrikband „EINVERNEHMLICHER SEX“ hat selbst mich, den Lyrik-Skeptiker überzeugt. Jetzt gerade hat sie schon wieder einen Erzählungsband im Textem Verlag nachgelegt: „WER WAS IN WELCHER NACHT TRÄUMTE – ERZÄHLUNGEN ZU KUNST, DESIGN UND ARCHITEKTUR“.

Wir hatten Wein und Spaß.

Karla Paul

In einer gerechten Welt würde es sie als Sammelfigur geben: Karla.

Deutschlands bekannteste Literaturlobbyistin, als Kind Aushleihkönigin der örtlichen Bücherei (den Begriff „Ausleihkönigin“ habe ich mir für meinen Roman mopsen dürfen, jede weitere Ähnlichkeit zu meiner Figur Fritzi ist Zufall), liest bis zu 300 Bücher pro Jahr (Fritzi schafft mehr). Sie betreibt mit Günther Keil eine Literaturshow, außerdem den Podcast „Long Story Short“ für Random House. Irgendwann schreibt sie vielleicht mal einen Krimi, und ein kleiner weißer Hund wird vermutlich eine Rolle darin spielen …

Kein Alkohol bei der Arbeit, Karla ist Vollprofi. Na gut, dann eben Tee.

Karen Köhler

Hier lacht Karen schön nach unten.

Karen wurde für ihren Erzählungsband „Wir haben Raketen geangelt“ vor ein paar Jahren in den Himmel gelobt (zu recht, er ist wirklich fantastisch, ich habe ihn erst vor kurzem „entdeckt“) und bekam für ihren Debütroman „MIROLOI“ vom gesammelten Feuilleton nahezu kollektiv ins Maul (zu unrecht, wie ich finde, dieser Roman ist auf ganz andere Art als die Raketen unfassbar bewegend und wichtig). Sie schaffte es damit auf die Longlist des deutschen Buchpreises und in die Endauswahl des Michael-Kühne-Preises. Wir haben uns herrlich betrunken, mannomann, die legendäre zweite Folge hat es wirklich in sich.

Nein, das ist kein Wasser.

Anke Stelling

Hier lacht auch Anke schön nach unten.

Anke veröffentlicht im Verbrecherverlag und hat mit „Schäfchen im Trockenen“ den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 gewonnen, kurz danach noch den Hölderlinpreis für ihr Werk, das inzwischen acht Romane umfasst, auch Kinderbücher. Sie schreibt tatsächlich von nine to five in einem Stübchen ohne Internet und plündert dabei gnadenlos ihr Privatleben, was nicht immer gut ankommt im Freundeskreis. 

Der Podcast mit Garten!

Dana von Suffrin

Von ihr werden wir noch viel hören. Preisregen beim Debüt.

Die Historikerin aus München mit jüdischen Wurzeln und Doktortitel hat mit ihrem Roman OTTO ein großartiges Debüt hingelegt. Ihr gelingt es erstaunlicherweise, Holocaust und lustig in einem Buch zu vereinen. OTTO erzählt die Geschichte von einem durchgeballerten Patriarchen, der pflegebedürftig wird und seine beiden Töchter in den Wahnsinn treibt. Das Buch ist sehr, sehr lustig aber auch ergreifend und kommt ohne großen Plot aus, die eigentliche Geschichte setzt sich aus Anekdoten zusammen, und die werden vom alten Otto durcheinandergewirbelt und offensichtlich falsch erinnert, ein großer Spaß. Sie hat nach dem Michael-Kühne-Preis auch noch den Ernst-Hoferichter-Preis und den Debütpreis des Buddenbrookhauses 2019 erhalten. Und so scheint OTTO ein aussichtsreicher Kandidat für weitere Preise zu sein …

Die Band würde ich mir anhören. Coole Frontfrau jedenfalls.

ÜBERS SCHREIBEN 2020

Und was kommt jetzt? Weiter so? Alle zwei Monate eine Doppelfolge oder doch lieber öfter mal eine kurze knackige und dafür das Sound Design und aufwendige Editieren opfern? Weiter auf die Quote scheißen – oder auch mal ein paar Männer zu Wort kommen lassen? Wie würden uns wahnsinnig freuen, von euch zu hören.
Ahoi! Und jetzt: zwanziger Jahre!

Gerrit hat da was im Ohr. Es könnte Gehirn sein, wir melden uns, wenn wir mehr wissen.

Das Buch wird gedruckt

„Das eiserne Herz des Charlie Berg“ erscheint am 16.03.2020.

Ich habe einige Horrorgeschichten von Kolleg*innen gehört, von schlimmen Covern, die der Verlag durchsetzt, sogar der Buchtitel wird oft in der Marketingabteilung entschieden. Bisher hatte ich also Glück, da auf meinen Wunsch hin ein Bild der Künstlerin Moki verwendet wurde und auch mein Titel vom Verlag genommen wurde. Außerdem, was mir extrem wichtig war, ist der Titel auf dem Cover Buchstabe für Buchstabe handgemalt, und nicht aus einem „Hand-Font“ gesetzt, was mir (als Grafiker) regelmäßig Augenschmerzen bereitet, wenn ich das sehe. Besonders ekelig ist das bei doppelten Buchstaben, die dann mit ihrer exakt gleichen Unregelmäßigkeit die Täuschung entlarven.

So sieht es aus:

Das Motiv ist von Moki – www. mioke.de

Was ich gelernt habe: Die Erscheinungstermine von Büchern sind offenbar etwas weicher als in der Musikbranche, wo durch Vorbestellungen und mediale Fokussierung auf den einen Erscheinungstag möglichst viele Verkäufe innerhalb der ersten Woche stattfinden sollen, damit das Album idealerweise in die Charts kommt. In der Buchbranche geht es (mal von der Harry-Potter-Liga abgesehen) zumindest in diesem Punkt gemütlicher zu, in manchen Läden wird das Buch bereits am 09.03. zu haben sein, in anderen erst nach der Leipziger Buchmesse.
Aber warum wird das Buch jetzt schon gedruckt, wenn es erst in vier Monaten erscheint? Ist das nicht übertrieben gemütlich?

Das Leseexemplar

Letztes Jahr, als ich die Literaturbranche noch nicht von innen kannte, fand ich das Wort noch genauso ulkig wie Haarfrisur und Jeanshose: Leseexemplar. Was soll man mit dem Exemplar eines Buches denn sonst machen außer es zu lesen? Wenn man nicht gerade ein Hotel in Berlin betreibt, in dem Bücher als Wandschmuck und Raumteiler dienen, werden Bücher doch in der Regel genau dafür gemacht: Um gelesen zu werden. 
Bei den Leseexemplaren handelt es sich um vorab gedruckte Bücher, die bereits demnächst an Pressemenschen und Buchhändler verschickt werden. Die das dann im besten Fall nicht als Raumteiler verwenden. Und dass das so früh passiert, ist bei einem 700-Seiten-Buch natürlich nötig, das liest man nicht mal eben am Wochenende.
Die erste „richtige“ Auflage wird erst so kurz wie möglich vor dem Erscheinungsdatum gedruckt, weil noch nicht feststeht, wie hoch diese Auflage sein wird. Die Leseexemplare sehen genau so aus wie das Buch später, nur auf dem Schutzumschlag und der ersten Seite stehen noch andere Informationen als bei der Version für Endkunden: Marketingmaßnahmen und Hinweise auf die Sperrfrist, also das Datum, vor dem nicht über das Buch berichtet werden soll. Eventuell wird das „echte“ Exemplar sich noch in einem anderen, kleinen Detail vom Leseexemplar unterscheiden.

Viele kleine Schritte

Also ist demnächst einer der letzten Schritte auf dem Weg zum Buch geschafft, und das ist toll, aber auch seltsam – ich werde mein Buch in den Händen halten, aber es wird nicht das „richtige“ Buch sein. Und natürlich ist es trotzdem wieder ein Grund zum Feiern. Man kommt, also ich als Debütant komme aus dem Feiern gar nicht wieder heraus, es gibt so viele kleine aufregende Schritte auf dem Weg zum Erstling: 
Agentur gefunden 🍾
Verlag gefunden 🍾
Erste Fassung abgegeben 🍾
Cover und Titel festgelegt 🍾
Lektorat abgeschlossen 🍾
Korrektorat abgeschlossen 🍾
PDF mit den Korrekturen freigeben, Leseexemplar geht in den Druck 🍾

Anfang Dezember:
Leseexemplar in den Händen halten
Leseexemplar durchlesen und hoffentlich die letzten Fehler finden, dann die letzten Korrekturen umsetzen lassen

Nächstes Jahr:
„richtiges“ Buch geht in den Druck
„richtiges“ Buch in den Händen halten
09. – 16.03. Buch erscheint
Premierenfeier

Und jetzt heißt es:
Warten.
Gut, es gibt noch einiges vorzubereiten, wir arbeiten an einer „Leseshow“ mit Livemusik (fight the Wasserglas), die Platte zum Buch muss noch fertiggestellt werden, und an der Hörbuchfassung bin ich ebenfalls beteiligt, auch wenn ich sie nicht selber einlesen werde, sondern der großartige Shenja Lacher. Dennoch ist es ziemlich bekloppt, jetzt noch so lange warten zu müssen.

Vorschau zum Hörbuch mit Shenja Lacher

Bald ist es ein Buch

Wie läuft’s? … sollte eigentlich eine monatliche Rubrik werden. Es läuft gut! Aber ist auch viel los hier, deshalb war ich etwas nachlässig. Hier eine kurze Zusammenfassung der letzten Monate:

Ende Mai 

Für das Finale ziehe ich mich im Mai nach Lauenburg zurück. Unwirkliches Gefühl, als ich plötzlich fertig bin. Eine Woche vor der Deadline. Es sind sehr viele Seiten geworden, Leute lachen, wenn ich ihnen sagen, wie viele. „Ambitioniert“ ist so ein Wort, das bedeutet so viel, wie: „Du bist doch bekloppt, wer soll das denn alles lesen?“ Keine Sorge, wird alles noch etwas eingedampft. Der Plan von Anfang an war, erstmal alles hinzuschreiben (vieles musste auf diese Art auch erst entdeckt werden) um dann großzügig wegstreichen zu können – ein herrlicher Luxus.

Mein Verlag ist happy, es scheint nicht der Regelfall zu sein, dass fristgerecht abgegeben wird. Bin also neuerdings Streber! Einmal mehr denke ich, dass ich nicht nur Schmerz und Trauma aus meiner Zeit in der Werbung mitgenommen habe: Deadlines sind mein Motor.

Anfang Juni

Verlag und Lektor und auch meine Agentin haben gelesen, es gibt positive Rückmeldungen, ich bin erleichtert. Gerade wegen des vierten Teils hatte ich etwas Sorge, es stellt sich heraus, dass dort am wenigsten gemacht werden muss. Hauptsächlich, na klar, Kürzungen. Mein Lektor und ich fahren fünf Tage ans Meer, besprechen bei Strandspaziergängen, was nun zu tun ist. Der Roman liegt ausgedruckt als dicker Stapel auf dem Schreibtisch, versehen mit handschriftlichen Korrekturzeichen und Zahlen am Rand, dazu gibt es digitale Dokumente mit Anmerkungen. Ich fahre mit einem Plan nach Hause. Doch vorher belohnen wir uns, u.a. mit Pekingentenpüree mit Popcornschaum.

Ende Juni

Treffen mit allen Abteilungen im Verlag in München. Die Frau von der Presse kenne ich schon, ich lerne Marketing, Vertrieb, Veranstalter und das Random House Studio kennen, wo ich die ersten zehn Seiten einlese und eine Grußbotschaft für die Vertreterkonferenz aufnehme. Im September muss ich fertig sein, damit das Leseexemplar rechtzeitig produziert werden kann.

Anfang Juli

Es geht nach Italien. Zurück nach Cesano. Ich sitze jetzt auf der gleichen Terrasse, auf der ich vor einem Jahr den zweiten Teil meines Buches fertig geschrieben habe. Hier habe ich das erste Mal mit meiner Agentin Elisabeth Ruge telefoniert. Damals hatte ich noch nicht bei ihr unterschrieben, erst 130 Seiten waren fertig und ich hörte von dem Plan, dass sie mein „Buch“ im Oktober mit zur Messe nach Frankfurt nehmen will. Hat sie dann gemacht. Ist das alles erst ein Jahr her? In ungefähr zwei Monaten geht mein Roman in den Satz. Eine unverrückbare Deadline, herrlich.
Und im Frühjahr 2020 erscheint:
Das eiserne Herz des Charlie Berg

Wie läuft’s? März 2019

Seit ich öffentlich darüber schreibe, dass ich schreibe, erreichen mich hin und wieder Nachrichten von alten Bekannten, Kollegen und Verwandten. Ich bekomme entzückende Mails von Menschen, die ich seit Jahren nicht gesprochen habe, alle freuen sich für mich und auf mein Buch. Einen Roman zu schreiben scheint nicht nur für mich eine Art heiliger Akt zu sein.

Andreas, ein alter Bekannter, ist so begeistert von meinem märchenhaft anmutenden Einstieg ins Literaturgeschäft, dass er anruft, um mir mitzuteilen, wie sehr ihn das freut. Er fragt mich, ob ich noch einen Parfumeur für die Recherche suche, er habe gelesen, dass es in meinem Roman um Düfte geht. Sein Nachbar sei zufällig in der Branche tätig. Er heißt Christian Plesch, arbeitet als Senior Perfumeur bei einem großen, weltweit agierenden Duftkonzern und ist „auch verrückt“, was wohl bedeutet, dass ich es auch bin. Aus seinem Mund klingt das allerdings wie ein Kompliment.
Besonders spannend an Christian ist, dass er nebenher noch eigene Düfte entwickelt: NASENGOLD und WACKELWASSER. Die Beschreibungen der Düfte auf seiner Website klingen fantastisch, außerdem lese ich: Bei der Entwicklung seiner Duftideen inspirieren ihn besonders Punkrock, Coffein, Kurven, Impulsivität und die Malerei. Wir telefonieren kurz, es stellt sich heraus, dass Christian auch noch literaturbegeistert ist. Da passt alles. Wir verabreden uns für ein Interview und treffen uns zwei Wochen später in einer Bar.

Foto: Tara Wolff

S: Christian, wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

C: Ich wollte unbedingt etwas Kreatives machen, hatte auch mit Malerei geliebäugelt, mich dann aber für den Beruf des Parfumeurs entschieden. In Deutschland gibt es dafür allerdings so gut wie keine Ausbildungsplätze im Sinne der IHK (Industrie- und Handelskammer). Also habe ich erstmal Chemielaborant bei Haarmann & Reimer (heute Symrise) in Holzminden gelernt, einem damaligen Weltkonzern für Düfte und Riechstoffe. Neben der Ausbildung habe ich dann begonnen, im Labor zu experimentieren. Nach Feierabend blieb ich länger im Betrieb und mischte wild Riechstoffe durcheinander, bis ich meine erste vorzeigbare Kreation hatte. Ich rannte zum Chef, er fand es nicht schlecht, fragte nach der Formel. Die gab es natürlich nicht, damals wusste ich noch nichts über die Dokumentation von Formeln und wie man eigentlich an Düften arbeitet. Ich war schier zu begeistert, um strukturiert vorzugehen.

S: Aber du wolltest es unbedingt lernen. Hast du dann noch eine Zusatzausbildung gemacht?

C: Ja, ich habe meinen Chef so hartnäckig genervt, bis ich im gleichen Konzern einen der wenigen und begehrten Ausbildungsplätze zum Parfumeur bekommen habe. Nur alle fünf Jahre wurden dort eine handvoll Nasen ausgebildet. Und bei Symrise war unter der Federführung von Egon Ölkers in jedem Jahrgang ein Freigeist, ein unkonventioneller Kreativer vorgesehen. Diese Rolle war anscheinend mir zugedacht.

S: Was hast du anschließend gemacht?

C: Nach der Ausbildung ging ich für H&R nach Paris. Bei einem Pitch für Armani scheiterte ich nur knapp. Die Formel habe ich aufgehoben, irgendwann sollte sie noch mal zum Einsatz kommen – bisher hat nur meine Frau dieses Parfum getragen.
Dann kam das Angebot meines jetzigen Arbeitgebers: Ich sollte für den Konzern in Hamburg Düfte entwickeln. Dort bin ich inzwischen Senior Perfumer und für die Entwicklung von Düften aller Art zuständig: Vom Fine Fragrance für bekannte Modehäuser über Düfte für Handcremes und Duschgels oder auch Parfum für Reiniger bis hin zum Wollwaschmittel-Duft ist alles dabei.

S: Wie muss man sich das vorstellen, hantierst du mit Fläschchen und Pipetten, arbeitet du mit weißem Kittel im Labor?

C: Nein, meine Arbeit findet überwiegend im Kopf und am Computer im eigenen Büro statt. Ich habe eine große Sammlung an Duft-Akkorden in meiner Datenbank. Wenn ein Waschmittel einen neuen Duft braucht, kann man das Rad nicht neu erfinden, es gibt gewisse Standards, die gelernt sind und zumindest in der kommerziellen Parfümerie unbedingt beherzigt werden sollten: In Düften von Reinigern und Seifen finden sich oft Aldehyde, das nehmen Menschen als sauber wahr. Oder Meister Proper, der riecht z.B. im Grundakkord nach Fichte, der je nach Variante oder Farbe variiert – auch das verbinden wir mit Reinlichkeit. Handcremes sollten immer pflegend riechen, das heißt, man sollte die floralen, gerne weißblütigen Akkorde mit pudrigen, anisigen oder süßen Riechstoffen ins Pflegende hineinziehen. Ich greife also zunächst auf funktionierende Akkorde zu, die ich dann abändere oder neu kombiniere.

S: Und wie gehst du bei deinen eigenen Düften vor?
#S (sprich: „Raute-S“) klingt nicht gerade nach Standardformeln:

#S – DER ERSTE DUFTSTOFF DES JUNGEN HAMBURGER LABELS NASENGOLD – STRAHLT DIE ESSENZ DES TRIPS AUS. Das Liquid ist gebraut um eine Weinhefenote, die mit rosa Pfeffer und Ingwer angefeuert wird – dreht sich um eine rosengeschmückte Tafel mit Grapefruit, Bier sowie Kardamom – und findet seinen glimmenden Nachhall in sinnlichem Moschus und Amberanklängen: Chill-Out.

S: Das klingt eher wie die Beschreibung eines Drogenrauschs.

C: Auf dem kommerziellen Parfummarkt wird leider unheimlich viel Konventionelles immer wieder kopiert und nachgebaut. Wenn es einen Hit gibt, versuchen alle anderen etwas Ähnliches auf den Markt zu bringen. Ich wollte genau das Gegenteil von Allem, was kommerzielle Düfte auszeichnet. Und das vom Duft bis zum Look der Verpackung: abgefahrene Düfte, die ungewohnt riechen, modern sind, vielleicht auch irritieren, den Rausch als Duft zelebrieren – das klingt ja auch im Namen an. Der Erfolg von „#S“ (sexy, spritzig)  gab mir Recht. Auch „:P“ (Pfeffer) und „G.“ (Grapefruit) liefen gut. Lediglich mit „/L“ (Luxus, Laster, Lenzen) habe ich mich etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt. Ein Duft, der nach Wildleder, rauchigem Jasmin und Benzin riecht – den Geruch von Benzin habe ich als Kind geliebt – hat leider meine Erwartungen bezüglich des Erfolges am Markt nicht so ganz erfüllt. Shit happens.

Foto: Tara Wolff

Nach einem weiteren Rosé für den Parfumeur und einem weiteren Rumcocktail für den Autoren sprechen wir über mein Projekt. Ich hatte ihm vorab Auszüge meines Romans geschickt, und zwar die Passagen, in denen mein Protagonist Düfte beschreibt – vor allem eine seiner eigenen Duftkreationen: Seeweh. Es ist der Geruch eines Tags am Strand, der am Abend noch auf der Haut liegt. Eine Kombination aus Sonnenmilch, Salz, Sand, Algen und einer Spur Fisch und Diesel. Christian gefallen meine Duftbeschreibungen, er bringt Muschelschale statt Fisch ins Gespräch, mitsamt verwesendem Muschelfleisch, was ich direkt nach unserem Treffen in meinen Text einfließen lasse:

Jetzt kam sie sogar richtig nahe, ein paar Zentimeter neben meinem Gesicht machte sie Halt und schloss die Augen. Der Geruch von Asche hing in ihrem Haar, Alkohol vom vorigen Tag dampfte aus ihren Poren. Sie wich wieder zurück, ihre Zungenspitze kam ganz kurz einen Millimeter zum Vorschein.

„Ist das von dir?“ Sie sog noch mal Luft ein, zwei Mal kurz, ein Mal lang. „Charlie, das ist gut.“ 

„Ist noch nicht ganz fertig“, antwortete ich.

„Algen, Salz, Sand, ein bißchen Sonnenmilch … und sind das … Muscheln? Warst du am Meer? Es riecht nach Fernweh. Wie Sehnsucht nach der See. Seeweh. Originell. Wie hast du es genannt?“

„Es hat noch keinen Namen.“

Als ich ihm erzähle, dass ich den Rezensionsexemplaren des Buches am liebsten eine Duftprobe des Parfums aus dem Buch beilegen würde, ist er sofort begeistert. Er hat vor einiger Zeit einen Akkord namens Seabreeze entwickelt, von dem er immer noch nicht so genau weiß, was er damit anfangen soll. Diese eher streng riechende Basis mit klassischem Sonnenmilchduft zu kombinieren hält er für eine richtig gute Idee. So gut, dass er so schnell wie möglich ein paar Varianten im Labor in Auftrag geben will. Und wenn es mir gefällt kann er mir ein Kilo herstellen lassen. Ich müsste das dann nur selber per Hand in kleine Phiolen füllen, so hat er das zu Beginn bei Nasengold auch gemacht, für die Duftproben, die man verschickt und verschenkt. Er will nachsehen, ob er vielleicht noch welche auf dem Dachboden hat. Was ist hier los? Unfassbarer Typ!

Auf dem Heimweg bin ich ganz berauscht. Das Parfum aus meinem Buch soll Wirklichkeit werden? Noch im Bus texte ich meinem Lektor. Er antwortet trocken: „Nicht schlecht. Das hatte nicht mal Süskind.“

Zwei Wochen später meldet sich Christian per SMS: „Oh, da stehen drei Schweinereien im Labor hab ich gesehen … da bin ich mal gespannt! Müssen uns zum Evaluieren verabreden …“
Er hat drei Chargen anmischen lassen, die sich nur im Verhältnis der Sea Base und dem auf Fine Fragrance getrimmten Sonnenmilchduft unterscheiden. Wir verabreden uns für den nächsten Samstag Abend. Netterweise bringt er ein WACKELWASSER light für meine Frau mit, die unser Zusammentreffen fotografisch festhält: Es riecht spritzig, zitrisch, kribbelig, nach Champagner und steht Tara außerordentlich gut.

Ich muss es mir noch mal klar machen: Ich kenne einen Parfumeur, der ein Parfum aus meinem Buch zum Leben erwecken will und mir jetzt ein paar kleine Sprühflaschen und einen Plastikbeutel voller Riechstreifen auf den Tisch stellt. Danke Andreas, mein Leben hat einen interessanten Twist bekommen.

Die Profi-Riechstreifen kenne ich schon aus Christians Büro und den Laboren seines Konzerns, die ich in der Woche zuvor besichtigt habe, aber auch aus diversen Dokus über Parfumherstellung. Diese geruchlosen Papierstreifen sind anders geformt als die simplen Pappstreifen, die man von Douglas & Flughafenparfümerien kennt, laufen spitz zu und haben eine Falz in der Mitte, so dass sie sich der Länge nach leichter knicken lassen. Damit wedelt der Profi sich den Duft zu.

Christian schraubt bei allen drei Flaschen den Sprühkopf ab und tunkt je drei Streifen mit der Spitze in die Düfte. Die Streifen werden beschriftet: Charge E, F und G. Tara, er und ich nehmen jeder ein Set und schnuppern die drei Varianten, fächern uns den Duft zu. Es ist unfassbar. Tatsächlich Alge und Salz, die Sonnenmilch hat er mit einem ganz zarten Hauch Kokos abgerundet, ich bin am Meer, das sich immer wieder hervorschält. Kann das denn sein?

Noch besser, wie meist, kommt der Duft später auf der Haut zur Geltung. In den folgenden Tagen teste ich die verschiedenen Chargen, schnuppere immer wieder an meinem Handgelenk und versuche das Gefühl zu ergründen, das der Geruch in mir auslöst. Irgendwann wird mir klar: Ich habe Seeweh.


SEEWEH
Kopfnote: Lemon, Petigrain Citronnier, Seabreeze, ozonic notes, Oyster
Herznote: Neroli, Tuberose, Kokosnuss
Basisnote: Alge Absolue, Eichenmoos, Sandel, Benzoin, Vetiver

NASENGOLD
#S (Raute-S)
Kopfnote: Weinhefe, Bergamotte, Kardamom, Ingwer, Davana, Grapefruit, rosa Pfeffer, Zitrone
Herznote: Rose, Tuberose, Maiglöckchen, malzige Noten, Wein
Basisnote: Vetiver, Iso E, Moschus, Weihrauch, Eichenmoos, ledrige Noten

G. (G-Punkt)
Kopfnote: Grapefruit, Schwefelnoten, rosa Pfeffer, Ingwer, Limette
Herznote: Sambac, Rose, Orangenblüte
Basisnote: Zedernholz, ledrige Noten, Vetiver, Patchouli, Kakao

WACKELWASSER
dark
Kopfnote
: Kardamom, Ingwer, Bergamotte, Zitrone
Herznote: Jasmin, schwarze Orchidee
Basisnote: Malz, Karamell, Zedernholz, dunkler Moschus

light
Kopfnote
: Orange Fizz, Ingwer, Pfeffer, Mandarine, Zitronenmelisse
Herznote: Weinhefe, Sambac, Neroli, Rose, wässrige Noten
Basisnote: Malzbier, Zedernholz, Moschus, ambrierte Noten

Übersicht über Christian Pleschs Parfums, eigene und Auftragsarbeiten (auf parfumo.de)

Write what you know

„Write what you know“ – eine der ersten Regeln, die man als Schreiber lernt, gleich nach „Show, don’t tell“.
Und wenn man etwas nicht weiß? Muss man recherchieren. Ich habe mich zwar schon immer für Düfte interessiert, als Teenager mit Hilfe eines Hobbythekbuchs sogar Versuche unternommen, einen eigenen Duft herzustellen, am Flughafen schlage ich die Wartezeit stets in den Parfumläden tot, Mitmenschen mit zu großzügig aufgetragenen Duftwässerchen können mir den Tag versauen. Doch habe ich bei Weitem nicht die Supernase meines Protagonisten Charlie. Um glaubhaft aus seiner Sicht schreiben zu können, muss ich also viel über die Geschichte und die Herstellung von Düften lesen, viele Parfums schnuppern und mich mit Profis aus der Branche treffen. Bei meinem letzten Berlinbesuch kam ich wieder bei Jo Malone vorbei, meine Agentur sitzt nur ein paar Häuser weiter, und dieses Mal musste ich ihn einfach mitnehmen: Den goldenen Koffer!

25 Düfte mit wenigen Inhaltsstoffen, dadurch alle miteinander kombinierbar, dazu die Kärtchen mit den Beschreibungen der Kopf-, Herz- und Basisnoten.

Der perfekte Trainingskoffer. Wenige der Düfte (alle unisex) würde ich selber tragen, dennoch tue ich es, um die Entwicklung, die diese oder jene Note auf der Haut nimmt, nachvollziehen zu können. Zum Teil muss ich auch Düfte erleiden, die sich überraschend entwickeln, aus denen sich nach ansprechender Kopfnote kleine Geruchsmonster hervorschälen, ich leide dann den ganzen Tag wie mein Ich-Erzähler und rieche wie ein Fremder, ‚method writing‘, wenn man so will. Also, meine lieben Freunde aus dem echten Leben: Wenn ich etwas seltsam rieche in nächster Zeit, wisst ihr warum.