Jahresrückblick 2020 – Teil 5 (Mai, 10 Bilder, 10 Sätze)

1 – Das Hamburger Abendblatt macht Hoffnung …
2 – Den Instagram Takeover des btb-Channels  nutze ich um mit den nettesten Kolleg:innen und Literaturmenschen zu sprechen: Frank Berzbach, Melanie Raabe, Antje Flemming, Karla Paul, Jasmin Schreiber, Till Raether, Peter Wittkamp und Nikolaus Woernle
3 – … für Thriller-Königin Melanie Raabe habe ich ein paar Cover-Vorschläge vorbereitet, da sie bald ein Sachbuch über Kreativität veröffentlicht …
4 – Okay, der Roman geht also nicht komplett unter – große Freude, ich bin für den Klaus Michael Kühne-Preis beim Harbourfront Literaturfestival nominiert!
5 – Das Lieblingsrestaurant Bistro Carmagnole verkauft Menüs zum selber (fertig)kochen 😍

6 – Ich habe doch noch eine Lesung, leider nur digital – dafür aber bei buchhandlunglueders!

7 – Anschließend signiere ich einen Stapel Bücher, das Dreamteam bei Lüders liest die Widmungen auf Instagram und verkauft so schnell alle meine Bücher, dass ich am Ende des Monats gleich nochmal hinmuss zum Signieren
8 – Ich bekomme eine Sexy & Bodenständig-Tasse, weil ich bei meinem Lieblingspodcast von Alena Schröder und Till Raether auf die Mailbox gequatscht habe ☕️🥳
9 – Suko und ich im Wald für die br Kulturbühne (Hier geht’s zum Video)
10 – Meine Agentin Elisabeth Ruge im Interview mit Holger Volland treibt mir die Tränen in die Augen – und lässt mich von einer Charlie-Serie träumen

Jahresrückblick 2020 – Teil 4 (April, 10 Bilder, 10 Sätze)

1 – Nachdem ich mich für einen Beitrag im NDR Bücherjournal noch zu Hause selbst filmen musste, kommt Natascha Geier für das Kulturjournal im Atelier Royal TS vorbei – Charlie ist NDR Buch des Monats April
2 – Anschließend schickt Natascha mir ein „best of“ der automatischen Transkription unseres Gesprächs – es ist Lyrik
3 – Die entzückendste Mutmacher-Geburtstagskarte überhaupt
4 – Mein Name ist Stuertz, Carsten Stuertz
5 – Beim Spazierengehen hat jemand die Anfangsszene von Charlie für mich inszeniert
6 – Es darf jetzt Nachmittags auf der Straße mit Abstand getrunken werden
7 – Der Beginn einer Liebesgeschichte: Thomas von der Buchhandlung Lüders stellt mein Buch vor … (to be continued)
8 – Mein Freund Nikolaus und ich produzieren für die Hörverlag Serials die erste „Peter und Bernd“-Hörspielfolge seit 25 Jahren, und zwar „Corvin Corona der 19.“ – und werden auf unsere alten Tage im Deutschlandfunk als „subversiv“ gefeiert … endlich am Ziel
9 – Mareike Fallwickls Besprechung auf www.buecherwurmloch.at ist wirklich zum Einrahmen – folgt ihr, sie liest ca. 10.000 Bücher im Jahr und schreibt dazu auch noch selber sehr gute („Das Licht ist hier viel heller“ & „Dunkelgrün fast schwarz“)
10 – Caro Korneli, die meine Premiere in Berlin moderiert hätte, läd mich ins Deutschlandfunk-Studio in ihre Show „Plus Eins“ ein – großer Spaß

Jahresrückblick 2020 – Teil 3 (März, 10 Bilder, 10 Sätze)

1 – Anfang März ist der ganze Corona-Wahnsinn noch sehr weit weg katapultmagazin
2 – Völlig verrückt, die Buchmesse Leipzig ist bereits abgesagt , ich gehe mit meinen Söhnen am 7.3. noch zu Deichkind: Bude voll People
3  – Doch wenig später ist klar: Das wird auch nichts mit der Premiere und allen anderen Lesungen
4 – Und so beginnt das Jahr der vielen, vielen Versuche, irgendetwas „ins Netz zu verlagern“, die Worte ZOOM und DROSTEN treten in unser Leben
5 – Ein Tag nach dem ersten Lockdown erscheint mein Buch – wir feiern zu zweit im Atelier Royal TS
6 – Der Moment, auf den ich so lange gewartet habe ist endlich da  – mein Buch steht im Laden (und das auch noch neben T.C. Boyle wie hier bei codo😍)
7 – The Toytonic Swing Ensemble, die Band aus dem Buch (das 70er Krautjazz-Duo von Charlies Vater, das eigentlich komplett ausgedacht war, das wir dann aber doch noch für die Lesungen gegründet haben) veröffentlicht unbemerkt seine Platte
8 – Das Buch ohne Schutzumschlag – das schöne Waldmotiv ist von mioke.de
9 – Sonst sind wir 20 – 30 bei uns im Atelier, diesmal bleibt es (un)kuschelig, das Autor:innentrinken findet per Zoom statt.
10 – immerhin auf den Wald ist Verlass

Jahresrückblick 2020 – Teil 2 (Februar, 10 Bilder, 10 Sätze)

1 – Das Buch ist zwar noch nicht erschienen, ich darf aber vorab auf der Ham.Lit aus dem Lex lesen (volles Haus, Übel & Gefährlich ausverkauft!)  😱
2 – …und dann gleich im großen Saal – was für ein Start ins Autorenleben
3 – Ham.Lit Backstage mit Autorin Karosh Taha und Natascha Geier vom NDR, die hier moderiert
4 – Ham.Lit Aftershow Party mit Autorin Simone Buchholz  (eingesprungen für die erkrankte Karen Köhler) und Autorin sowie Veranstalterin und Ham.Lit-Erfinderin Lucy Fricke
5 – Immer noch große Vorfreude auf die Buchmesse – besonders auf das Speed Read Date mit vielen ERA Kolleg:innen: Conny Achenbach 👋🏻, Jasmin Schreiber 👋🏻, Julia Malik👋🏻 uvm. aber auch die Lesung in der Moritzbastei mit Felicitas Korn 👋🏻
6 – Auch auf die Premiere im Lesesaal mit Stephanie Krawehl 👋🏻 freue ich mich sehr
7 – … und Berlin wird ganz besonders, weil wir mit dem Toytonic Swing Ensemble (die Band aus dem Buch) im Theater neben der Buchhandlung Leseglück spielen werden und Caro Korneli moderieren wird
8 – Für jeden Premieren-Besucher gibt es ein Fläschchen SEEWEH (das Parfum aus dem Buch, das Parfümeur Christian Plesch für mich zum Leben erweckt hat) #Nasengold
9 – Für jedes Teammitglied gibt es einen tönernen Unglückskeks (wie sie Charlies Mutter im Buch für ihre Theatercrew bei jeder Premiere  macht)
10 – Das „richtige“ Buch geht in den Druck

Jahresrückblick 2020 – Teil 1 (Januar, 10 Bilder, 10 Sätze)

Diese Headline von Kathrin Götze in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung / Lokalteil brachte mich auf die Idee für einen Jahresrückblick. Also gibt es in den nächsten Tagen 10 Bilder pro Monat aus dem seltsamen Jahr des Sebastian Stuertz, und zu jedem Bild einen Satz.

1 – Verlagsbesuch Anfang des Jahres bei btb, ich träume noch von der Buchmesse Leipzig
2 – Suko war schick shoppen, aber nackt ist er glücklicher
3 – Erste Charlie-Lesung im Atelier Royal TS im Kolleg:innenkreis
4 – Leona und Momo waren auch da
5 – Stephanie Krawehl kennengelernt, wir waren uns gleich sympathisch
6 – In letzter Sekunde bei Stephanie einen Ort für die Hamburg-Premiere gefunden: Den Lesesaal! 😍
7 – Wald, immer wieder, nie langweilig
8 – Das Charlie-Lex musste natürlich auch mit in den Wald
9 – Frank Berzbach zu Besuch bei Gerrit und mir aka „Die Alphabeten“ – die Folge erscheint aufgrund eines Festplattencrashs niemals, aber Metallica sind besser als AC/DC, soviel steht fest
10 – mit den alten Punks Gero und Stellan den Song „SCHWANZ AB, HANS-DIETER“ bei Lucas im Studio eingeprügelt – der Punksong  von Dave Killers Band aus meinem Roman

1 Monat Villa

Am nächsten Montag ist es soweit: Ich darf für einen Monat ins mare Künstlerhaus einziehen. Die Hamburger Autorin Leona Stahlmann ist mit von der Partie, dazu noch zwei Musiker/Komponisten – fantastische WG!

Foto: mare Künstlerhaus / Roger Willemsen Stiftung

Zum Lockdown in eine Villa eingesperrt zu werden, während rundherum das gesellschaftliche und kulturelle Leben zum Stillstand kommt, fühlt sich trotzdem ein wenig nach Kim „Private Island“ Kardashian an.

Foto: mare Künstlerhaus / Roger Willemsen Stiftung

Man möchte in Anbetracht einer globalen Pandemie nicht von gutem Timing sprechen, aber wir alle müssen den November überwiegend daheim verbringen. Und so ist der Zeitpunkt des luxuriösen Lockdowns tatsächlich auf eine Art günstig: Mein zweiter Roman liegt bereits beim Verlag, und bevor es mit dem Lektorat losgeht, dauert es noch etwas, also kann ich mich ins nächste Abenteuer stürzen. Und hierzu kann ich nun endlich etwas erzählen, denn der Vertrag mit dem Hörverlag ist unterzeichnet, das Konzept steht, und ich bin bereits fleißig am Plotten.

Vertragsunterzeichnung (virenfrei)

„Der Russe in Marzahn“ ist der Arbeitstitel, und es wird ein Hörbuch, gelesen von Shenja Lacher. Der Schauspieler hat bereits meinen Charlie Berg ganz hervorragend eingelesen und hatte dabei auch noch großen Spaß.

Quelle: Interview mit Shenja Lacher im boersenblatt.net

Als wir uns letztes Jahr mit Christiane Collorio und Ana Kohler vom Hörverlag in München zur Feier des Hörbuchs (hier kann man reinhören) getroffen haben, erzählte Shenja, der in Marzahn aufgewachsen ist, Episoden aus seinem Leben und von seiner russischen Verwandtschaft – und wir lachten Tränen. Am Ende des Abends, den wir bei Shenja ausklingen ließen, gelang es den Hörverlagsfrauen, mich dazu zu überreden, mit dem Schauspieler, der zehn Jahre lang zum festen Ensemble des Residenztheaters München gehörte, eine Szene aus meinem Roman nachzuspielen. 🙈

Jedenfalls hatte Dr. Collorio vom Hörverlag danach die zauberhafte Idee, dass ich ein Hörbuch schreiben könnte, kurze Episoden, inspiriert von Motiven aus Shenjas Anekdoten – welches Shenja dann einlesen würde. Keine Biografie, sondern ein paar Zutaten aus dem Leben des Russen in Marzahn, verquirlt mit möglichst viel Wahnsinn. WIE GEIL IST DAS BITTE: Shenja mitsamt Stimme als Vorlage für eine Figur zu haben ist ein absolutes Geschenk beim Schreiben – meine Figuren bleiben sonst bis zu einem gewissen Grad vor meinem inneren Auge unscharf, und hier habe ich ein perfektes Modell. Das wird ein großer Spaß in der Villa.
Vielen Dank, Roger-Willemsen-Stiftung und Hamburger Kulturbehörde! ❤️

Beim Probesitzen in Roger Willemsens Bibliothek im September

„Zustände wie in einem Bürgerkrieg“

Ich habe sehr lange an meinem Debüt geschrieben: „Das eiserne Herz des Charlie Berg“. Es ist zum Lockdown Mitte März erschienen und hat entsprechend wenig Aufmerksamkeit erhalten. Die Nominierung für den Klaus-Michael-Kühne-Preis war ein Lichtblick nach einer Veröffentlichung in der Krise, ohne Premiere, Buchmesse und ohne Lesereise.
Die andere Autorin, mit der ich für den gemeinsamen Abend im sogenannten Debütantensalon zusammengewürfelt wurde, war mir kein Begriff: Lisa Eckhart. Nach kurzer Recherche wurde aber schnell klar, welches Konzept sie verfolgt. Ich fand und finde es immer noch mehr als fragwürdig, in unseren Zeiten solcherlei Witze zu machen. Was Frau Eckhart für Witze macht und was das Problem daran ist, bringt Navid Kermani sehr gut auf den Punkt:

… ich halte Frau Eckharts Versuch ebenfalls für gescheitert, sich ausgerechnet im Gewand und Gestus einer Marlene Dietrich, die vor den Nazis geflohen ist, antisemitische und rassistische Stereotype zu eigen zu machen, um sie zu entlarven. So, wie ich den Auftritt wahrgenommen habe, als ungelenk und ziemlich naiv, bleiben vor allem die Stereotype hängen.

Navid Kermani in der ZEIT am 10.9.2020

Die vielzitierte „Doppelbödigkeit“ im Programm der Österreicherin konnte ich ebenfalls nicht erkennen. Was aber deutlich wurde: Derartig bewusste Provokation sorgt mit ziemlicher Sicherheit für Getöse – und bei einem gemeinsamen Abend würde ich vermutlich nur eine Randfigur darstellen. Es würde sich ausschließlich um Lisa Eckhart drehen. Meine Agentin riet mir deshalb, um einen gesonderten Lesungs-Termin zu bitten, damit ich die Aufmerksamkeit bekomme, die ich verdient habe. Also teilte ich der Festivalleitung meine Bedenken mit, und dass ich ungern mit Frau Eckhart auf der Bühne sitzen würde. Petra Bamberger und Nikolaus Hansen waren sehr kooperativ, sie boten mir an, die Veranstaltung in zwei Einzellesungen aufzutrennen, direkt nacheinander. Im Grunde bestand der Unterschied nur darin, dass wir im Internet getrennt angekündigt wurden und uns die Bühne nicht hätten teilen müssen. Das Angebot nahm ich dankend an. Es fühlte sich weder linksradikal noch nach Weimarer Verhältnissen an.
Was ich befürchtet habe, ist nun, nach Eckharts (auch für mich unnachvollziehbarer) Ausladung, eingetreten: Es gibt Getöse, und die Presse interessiert sich für meine Meinung zu einer ehemaligen Poetry Slammerin aus Österreich, von der ich ein paar sehr unlustige, menschenfeindliche Sekunden im Internet gesehen habe. Ich habe sie weder „zur Unperson erklärt“, noch habe ich verlangt, dass sie ausgeladen wird – ich habe mich lediglich darüber gewundert, dass sie eingeladen wurde.
Doch heute musste ich lesen, dass „zwei Schriftsteller für die Ausladung von Frau Eckhart verantwortlich“ sind, und dass ich mit meinem Verhalten „Zustände wie in einem Bürgerkrieg“ riskiere. So Navid Kermani in der Eröffnungsrede des Harbourfront Festivals.

Geht es nicht eine Nummer kleiner, Herr Kermani?

Liebe Grüße an alle, peace,
Euer Sebastian

PS.: FUN FACT: In meinem Debütroman geht es um einen Debütanten-Literaturwettbewerb – eine junge Autorin, die stets in maßgeschneiderten Kostümen auftritt, sorgt mit einem Nazi-Hunde-Roman für einen kleinen Skandal. Ihr Buch verkauft sich daraufhin prächtig.

PPS: Hier noch das Statement des Kollegen Benjamin Quaderer, der auch nicht mit L.E. auf eine Bühne wollte:

Stimmen zum Buch

„Manche Bücher hauen einen um und sind so ungewöhnlich, dass sie einem erst mal nicht aus dem Kopf gehen. ‚Das eiserne Herz des Charlie Berg‘ ist so eins. Dem 46-jährigen Wahlhamburger ist so was wie ein Meisterwerk gelungen.“

Annette Matz, NDR Kultur

Inzwischen haben so viele tolle Menschen so unfassbar schöne Dinge über meinen Debütroman gesagt, dass es sich lohnt, eine eigene Seite dafür einzurichten.

Quality Content in Times of Corona

Wir Künstler sind alle in der gleichen Situation: Auch ohne Corona schon immer diejenigen, die nach Aufmerksamkeit gieren, sei es auf der Theater- & Konzertbühne oder auf Lesereisen. Und jetzt betteln sogar die, die sonst eher onlinefaul sind im Internet darum, im Mittelpunkt zu stehen, ich selbstverständlich auch – aber ich bin sowas von müde.

Alle möglichen gebeutelten Kulturschaffenden posten, talken, streamen irgendwas irgendwohin, ganze ehrlich: unterhaltsam ist leider die Ausnahme. Lesungen finde ich schon im echten Leben oft zu lang und zu öde – ich gehe eigentlich nur wegen des Talkteils zu solchen Veranstaltungen bzw. um Menschen zu treffen oder kennenzulernen. Jetzt finden sie schlecht ausgeleuchtet und mies klingend statt, ich habe bisher nur ein paar Minuten in eine reingeguckt, von Menschen, die ich interessant und sympathisch finde, deren Bücher ich auch gut finde oder zumindest für lesenswert halte, habe es aber rein klangtechnisch und ästhetisch wirklich nicht lange ertragen. Will ich da also mitmachen, ein Debütant, den quasi niemand kennt, dessen Erstling eines der vielen Opfer der Corona-Krise ist (mimimi!) und der jetzt jede Aufmerksamkeit braucht? Ich könnte heulen, na klar, es ist fürchterlich, ich habe viele Jahre an diesem bekloppten Buch gefeilt, einen tollen Verlag gefunden, und jetzt: PUFF. Muss ich da also mitmachen, um nicht komplett übersehen und vergessen zu werden? Ja, leider, und na klar, macht doch auch Spaß irgendwie, aber nein, nervt doch total: „Hallo, ich habe ein Buch geschrieben, hier bin ich, hier hier hier!“ Es fühlt sich schmutzig an – schon vor der Krise musste ich mich aufs Übelste beschimpfen lassen für meine Eigenwerbung auf Facebook und Instagram, war auch zeitweise extrem angekotzt von der Notwendigkeit, mitmachen zu müssen und nachträglich entsetzt von den kleinen Dopaminschüben, die ein paar Likes auslösen können, WOW, MEIN ERSTER POST MIT ÜBER XXX LIKES, GEIL, ICH HABE ENDLICH XXX FOLLOWER, kurzer Rausch, und schon bald danach wünschte (und wünsche) ich mir nichts sehnlicher, als eeeendlich einen Bekanntheitsgrad zu haben, der es erlaubt, sämtliche Social-Media-Aktivitäten einfach einzustellen oder, noch besser, von ANGESTELLTEN erledigen zu lassen. Das frisst nämlich Zeit, das ganze Geposte und Kommentiere, da man ja nicht nur postet und kommentiert sondern auch kuckt was die anderen machen, und so ist das einfach nur eine Mischung aus Sucht und Nebenjob, gehört dazu, muss man mitmachen: Eigen-PR. Leider oftmals ein frustrierender Job, da man sich ständig vergleicht, mit beliebteren, erfolgreicheren, lustigeren, schöneren, jüngeren, hipperen, weiseren Leuten. Und immer wenn man ein banales Bild von einem Kuchen oder einer Katze sieht, fällt einem auf, oh Scheiße, ich zeige den Leuten ständig Bilder von meinem UNFASSBAR NIEDLICHEN HUND und mache Bilder von meinen IMMER GLEICHEN WALDSPAZIERGÄNGEN – WER WILL DAS SEHEN??? Und wenn ich dann die witzigen Tweets von Till Raether, Ilona Hartmann, Jan Skudlarek oder Peter Wittkamp lese, oder die klugen, informativen Insta-Posts von Johanna Adorjan oder Insta-Stories von Sophie Passmann, dann denke ich: Wer bin ich eigentlich, dass ich meine, hier mitmachen zu dürfen? Es ist ein Kreuz, ich hasse es, ich will nicht mehr, und jetzt, wo es wichtiger denn je ist, mit QUALITY CONTENT aus der Masse herauszustechen, merke ich, wie social-media-müde ich bin. Die lieben Kolleg:innen Melanie Raabe, Leona Stahlmann und Frank Berzbach legen eine Social-Media-Pause ein, ICH WILL AUCH! Meine Insta-Bubble ist ein endloser Stream aus Buchtipps und digital-Lesungen, dabei ist mein SUB (aka Stapel ungelesener Bücher) inzwischen so groß, dass ich ein extra Regal dafür brauche.

Wie oft war ich schon an dem Punkt, an dem ich dachte: Mein Leben wäre so viel besser ohne Smartphone und Social Media, ohne dieses sich-Produzieren und Vorzeigen und eitler Zurschaustellung von Erfolgen und Glücksmomenten.

Wer will einen Debütautoren über die Notwendigkeit klagen hören, sich selbst vermarkten zu müssen, wenn er im Gespräch bleiben möchte? Angeblich will Melanie Raabe es hören bzw. lesen. Bitte sehr, Melanie, here comes my Gejammer! 

Ich kann nicht aufhören. Corona, dieser Arsch, hat mir mein Debüt derart versaut, und ich habe mein Buch noch nicht aufgegeben. Ich will noch weiter den Kontakt zu Leser:innen von denen mich einige ohne Social Media gar nicht kennen würden, und Kontakt zu den lieben Kolleg:innen pflegen, von denen ich einige ohne Social Media auch nicht kennen würde, ich will Lesungstermine bekanntgeben (es gibt wieder ECHTE LESUNGEN!), will mich mit tollen Rezensionen meines Buches aus dem Insta-Kosmos selbst beweihräuchern und will sehen, wie die großartige Celeste Barber an einer Pole Dancing Stange hängt wie ein nasser Sack. Und freue mich auf die Social-Media-Pause, die hoffentlich irgendwann kommt …